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Loveparade

Die mühsame Suche nach der Wahrheit

Von Tim Stinauer, 06.08.10, 22:53h, aktualisiert 06.08.10, 22:58h

Vor zwei Wochen hat sich die Duisburger Tragödie ereignet. Wie hat sich das Unglück nach derzeitigem Ermittlungsstand zugetragen? Was sagen Polizei und Veranstalter? Wer hat Recht? Eine Zwischenbilanz.

Loveparade-Katastrophe
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Die Trauer hält an: Ein Mädchen hockt in Duisburg an der Unglücksstelle der Loveparade-Katastrophe. (Bild: ddp)
Loveparade-Katastrophe
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Die Trauer hält an: Ein Mädchen hockt in Duisburg an der Unglücksstelle der Loveparade-Katastrophe. (Bild: ddp)

Wie hat sich das Unglück nach derzeitigem Ermittlungsstand zugetragen?

Gegen 15.30 Uhr stauen sich die Loveparade-Besucher in der Mitte eines Tunnels, der zum Veranstaltungsgelände führt. Abwandernde und ankommende Besucher blockieren einander am unteren Ende einer Rampe, die sowohl Ein- als auch Ausgang der Partyzone ist. Auch am oberen Ende bildet sich ein Stau, denn statt sich auf dem Gelände zu verteilen, bleiben die Menschen stehen. Der Veranstalter bittet die Polizei um Hilfe. Auf der Rampe bilden Beamte eine Kette, um den Besucherstrom zum Gelände abzuschneiden und abwandernde Besucher aufzuhalten. Gleichzeitig sollen Ordner die Menschen oben zum Weitergehen auffordern sowie die Zugangsschleusen zum Tunnel schließen. Doch das geschieht nicht. Der Tunnel füllt sich weiter, der Druck am unteren Ende der Rampe nimmt zu. Panik bricht aus. 21 Menschen werden getötet, mehr als 500 verletzt. Seit zwei Wochen läuft die Ursachenforschung - mehr schlecht als recht. Der Duisburger Baudezernent Jürgen Dressler beklagt ein „untaugliches“ Krisenmanagement der Verwaltung.

Polizei, Veranstalter und Stadtverwaltung schieben sich die Verantwortung gegenseitig zu. Was sagt die Stadt?

Es gebe bislang „keine Erkenntnisse, dass Mitarbeiter der Stadt Duisburg ihre gesetzlichen Pflichten verletzt hätten und auf diese Weise zum Unglück beigetragen oder es gar verursacht hätten“, bilanziert eine Rechtsanwaltskanzlei in einem Zwischenbericht im Auftrag der Stadt. Es gebe aber Hinweise, dass Dritte „gegen Vorgaben und Auflagen der Genehmigungen der Stadt Duisburg“ verstoßen hätten. So soll der Veranstalter wochenlang Anträge verschleppt und Unterlagen nicht eingereicht haben. Nach eigener Auskunft war das Ordnungsamt mit der Polizei für die Sicherheit im Stadtgebiet verantwortlich. Für die Schleusen und das Partygelände sei der Veranstalter zuständig gewesen.

Was sagt die Polizei?

Polizisten seien nur auf dem Gelände gewesen, um Gefahren wie Taschendiebstähle abzuwehren. Nur bei Bedarf und auf Anforderung sollten sie dem Veranstalter bei der Lenkung der Besucherströme helfen. Das geschah dann auch; aber trotz gemeinsamer Vereinbarung hätten die Ordner die Zugangsschleusen zum Tunnel nicht geschlossen. Die Polizei bezweifelt, dass die vom Veranstalter zugesagten 150 Ordner tatsächlich im Tunnel eingesetzt waren. Im Vorfeld hat die Polizei mehrfach Bedenken am Sicherheitskonzept geäußert.

Was sagt der Veranstalter?

Organisator der Loveparade war die Firma Lopavent um Rainer Schaller, Geschäftsführer des Großsponsors McFit, einer Kette von Billig-Fitness-Centern. Schaller behauptete, alle Beteiligten, auch Polizei und Stadt, seien sich im Vorfeld einig gewesen, dass das Sicherheitskonzept geeignet gewesen sei. Man habe „nach derzeitigem Stand“ alle Auflagen erfüllt.

Was sagen die Ordner?

Es waren Ordner mehrerer Unternehmen tätig. Sie klagen über Löcher im Funknetz und ungenaue Absprachen. Manche Ordner hätten gar keine Funkgeräte gehabt. Andere hätten gegenteilige Einsatzbefehle von Veranstalter und Polizei erhalten. Der Geschäftsführer eines beteiligten Sicherheitsunternehmens sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Es war einzelnen Mitarbeitern an den brisanten Stellen nicht möglich, zu überblicken, wer wo das Sagen gehabt hat.“ Lopavent betont dagegen, seine Ordnungskräfte mit Funkgeräten ausgestattet zu haben. Der Funk habe durchgängig funktioniert.

Und wer hat jetzt Recht?

Das versucht eine 63-köpfige Ermittlungsgruppe der Polizei Köln herauszufinden. Aus Neutralitätsgründen hat die Staatsanwaltschaft Duisburg die größte Behörde in NRW mit den Untersuchungen beauftragt. Die Beamten müssen außer den offiziellen Unterlagen auch tausende Fotos, Handyvideos und Zeugenberichte auswerten. Mit einem Fazit rechnet man erst im nächsten Jahr.

War das Unglück absehbar?

Offenbar ja. Im internen Entwurf eines Sicherheitskonzepts vom 20. Mai heißt es: „Sollten sich Rückstauungen vom Veranstaltungsgelände bis zum Tunnel abzeichnen, wird hier umgehend die temporäre Sperrung der Einlassschleusen veranlasst.“ Genau das hat am 24. Juli nicht funktioniert und führte mutmaßlich zur Katastrophe. Der Veranstalter sagte am Freitag, er sei von der Diskussion über solche Szenarien ausgeschlossen gewesen.

Wie verhält sich Oberbürgermeister Adolf Sauerland?

Eine Verantwortung für die Katastrophe will der CDU-Politiker bislang nicht übernehmen. Einen Rücktritt lehnt er ab. Einem Abwahlverfahren im Stadtrat will er sich stellen. Dazu ist eine Zweidrittelmehrheit von 50 Stimmen nötig. Die Grünen und die CDU haben aber bereits angekündigt, gegen eine Abwahl zu stimmen.



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