Von Frank Weiffen, 11.08.10, 17:26h
Ein Gedicht mit dem Titel „Morsbroicher Sommer“ - in dessen ersten Zeilen es heißt „tiere in den wiesen - und ein schlosspark - durch die Familie hindurch -der hase berührt die herzen aller korrekturlehrerinnen - und vater dreht am kerngehäuse“ - kann dabei exemplarisch für den Charakter dieses Buches genommen werden: Enzensperger widmet sich Schauplätzen und Begebenheiten seiner Umwelt, seiner Heimat, seines Alltags, die auch vielen Lesern bekannt sind und die den Gedichten darum einen besonderen Reiz bescheren: Lokalkolorit.
Es ist schöne „Jedermanns-Lyrik“, weil es zum Beispiel kaum jemanden aus Leverkusen geben dürfte, der den Schlosspark in Morsbroich nicht kennt. Oder weil es keinen Kölner gibt, der nicht schon von den Liebesschlössern an der Hohenzollernbrücke gehört hat („1387 liebesschlösser“). Enzensperger verpackt die gesammelten Eindrücke und Empfindungen dabei in Ketten von Assoziationen. Die zu knacken und zu entwirren ist nicht einfach. Aber genau darum macht die Auseinandersetzung mit den kleinen und großen Gedichten ja soviel Spaß: Man reibt sich an ihnen. Man überlegt hin und her. Man vergleicht seine Impressionen mit den eigenen - und findet so nach und nach einen Zugang zu dem, was der Autor im Moment des Schreibens vor seinem inneren Auge gehabt haben muss. Enzenspergers Gedichte zu lesen, das ist letztlich wie mit Wörtern und Bedeutungen zu spielen. Einfaches Drüberlesen ist nicht möglich. Vielfaches Wundern dafür umso mehr.
Der Gedichtband „Endlich Boppard“ ist im Horlemann-Verlag Bad Honnef erschienen und im Laufe der kommenden Tage über die Internetseite des Verlags sowie im Buchhandel für 14,90 Euro erhältlich (ISBN 978-3-89502-296-8).
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