Schriftgröße

GutenMorgenKöln

„Bei Lena“ gehen die Lichter aus

Von Claudia Hauser, 20.05.53, 17:08h

Die Kneipe „Bei Lena“ am Mediapark wird am 31. August geschlossen. Die Wirtin selbst hat den Vetrag gekündigt - trotzdem fällt ihr der Abschied schwer. 21 Jahre lang hat sie für ihre Gäste gekocht, an sieben Tagen in der Woche.

Lena
Bild vergrößern
Lena schließt ihre Kneipe (Bild: Worring)
Lena
Bild verkleinern
Lena schließt ihre Kneipe (Bild: Worring)
Köln - Ein bisschen Glitzer gibt es immer bei Lena. Von den Lampen baumelt goldenes Lametta über den Tischen ihrer düsteren Kneipe am Mediapark, an deren Wänden es kein einziges freies Plätzchen gibt. Und eine Plastikschüssel mit Kartoffeln steht auch immer irgendwo herum. Die Wirtin, die alle nur Lena nennen, schält 15 Kilogramm am Tag, mehr als 40 unterschiedliche Gerichte stehen auf der Speisekarte - mit Kartoffeln in allen denkbaren Variationen. Sie schält sie mit einem ganz bestimmten schwarzen Küchenmesser, von dem sie immer weiß, wo sie es zuletzt hingelegt hat.

1989 hat die 68-Jährige die Kneipe übernommen, 21 Jahre später ist nun am 31. August Schluss. Wahrscheinlich wird aus dem Laden eine Pommesbude. „Ich habe immer gesagt: Ich gehe, wann ich will“, sagt Lena, deren richtiger Name Zivka Brandusic ist. Sie selbst hat den Vertrag gekündigt, weil sie keine Miete mehr bezahlen will. Am Hansaring 19 will sie ein neues Lokal eröffnen, die Räume hat sie bereits 2002 gekauft. „Es hat lange gedauert, bis ich eine Baugenehmigung bekommen habe, und es gibt immer noch viel zu tun“, erzählt sie. Auch wenn sie sich selbst zum Abschied von ihrer Kneipe „Bei Lena“ entschlossen hat - schwer fällt er ihr trotzdem. Und so wischt sie sich beim Erzählen ab und zu eine Träne mit dem Küchenhandtuch weg.

Lena lebt für ihre Arbeit und für ihre vielen Stammgäste. An sieben Tagen in der Woche ist ihr Laden bis vier Uhr morgens geöffnet. „Manchmal bin ich schon um zwei Uhr gegangen, weil nichts los war, aber dann wurde ich am nächsten Tag immer gleich gefragt: »Wo warst du? Wir haben uns schon Sorgen gemacht.«“ Also bleibt sie immer bis Punkt vier Uhr. Taxifahrer essen regelmäßig bei ihr, aber auch viele, die in den Büros im Mediapark arbeiten. „Ich weiß auch nicht warum“, sagt sie, „vielleicht sind die Restaurants im Mediapark zu teuer.“

Wenn Lena früh morgens die Lichter in ihrer Kneipe löscht und nach Hause geht, hat sie nur wenig Zeit für sich. Mehr als vier Stunden pro Nacht schläft sie selten. Eine Stunde Zeit nimmt sie sich zum Duschen und Anziehen, bevor sie sich wieder aufmacht in Richtung Mediapark und die Kneipentür um 10 Uhr aufschließt. Eigentlich wollte sie mit 60 aufhören. „Aber was soll ich zu Hause?“, fragt sie. „So viele Fliegen gibt es überhaupt nicht totzuschlagen.“ Also wird sie sobald wie möglich ihren neuen Laden eröffnen. Drei oder vier Jahre will sie dort noch hinter der Theke stehen, dann soll ihre Tochter alles übernehmen. Aber eine Lena ganz ohne Kneipe und ohne Kartoffelmesser in der Hand können sich ihre Gäste eigentlich auch nicht vorstellen.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

Anzeige


Anzeige


Umfrage

Mehr autofreie Zonen für Köln?
Der Platz vor der Eigelsteintorburg ist schon autofrei, nun soll der Chlodwigplatz folgen. Auch für den Neumarkt schlägt der Masterplan vor, eine Seite für den Verkehr zu sperren. Ist das sinnvoll?


Special


Anzeige




Modisch aufgefallen


Junge Zeiten


Bildergalerien


Termine

Veranstaltungssuche

 

Veranstaltungs-Tipps

Manic Street Preachers

22. April 2012,
E-Werk Köln

 

Neue ksta.tv-Videos aus Köln




Offene Schulen


Top-Links (Anzeige)



Weitere Serien


ksta shop


Aktuelle Verkehrsinfos


Service


Mein ksta.de


ksta.de auf Facebook

KSTA auf Facebook

Aktion


Aktion



Hintergrund


Stadtmenschen Community


Extra


Dienste