Von Britta Wonnemann, 12.08.10, 18:12h, aktualisiert 12.08.10, 18:15h
„Damit hätte ich nie gerechnet“, strahlt Carl, bürgerlich Marion Huppert. Ihr Künstlername ist der Vorname des verstorbenen Vaters, „von ihm habe ich das Talent geerbt.“ Mit elf Jahren brachte sie sich selbst das Gitarrespielen bei und begleitete ihren Gesang. Die Musik war jedoch nur ein Hobby, „ich hatte keine Ambitionen, mehr daraus zu machen“.
Die aus Kaarst stammende Carl machte eine Ausbildung zur Industriekauffrau und zog der Liebe wegen nach Elsdorf, wo sie mit ihrem Mann und den beiden Kindern lebt. Über den Frechener Chor „Joy“ lernte sie eine Gesangspädagogin kennen. „Du musst mehr mit deiner Stimme machen“, riet ihr die Frau. Carl folgte dem Rat und begann 2002 mit kleinen Auftritten.
Gute Stimme
Zur Country-Musik kam die 40-jährige durch Zufall: Bei einer Feier sprachen sie Mitglieder einer Line-Dance-Gruppe auf ihre gute Country-Stimme an und buchten sie kurzerhand für einen gemeinsamen Auftritt. So entdeckte sie die Liebe zur Country-Musik, die sehr vielfältig sei - Shania Twain lasse sich beispielsweise auch dort einordnen.
„In Deutschland ist Country nur leider zu klischeebehaftet“, findet Carl. Zunächst sang die Elsdorferin, die auch eine Ausbildung zur Gesangslehrerin machte, Cover-Songs. Die eigene CD war ein Traum, „aber ich hätte nie gedacht, dass es klappt“. Bis sie 2008 auf der Country-Music-Messe in Nürnberg von Produzentin Iris Paech entdeckt wurde. Die Berlinerin schrieb die Texte, Carl wagte sich an die Komposition, und dann ging es in die Berliner Mitte-Studios.
Ihre Musik bezeichnet die Sängerin als „New American Country und anspruchsvoller Schlager“, auf dem Album wechseln sich englische und deutsche Texte ab, auf schnellere Stücke folgen schöne Balladen, getragen von Carls klangvoller Stimme. Kaum hat sie den Erfolg der CD verarbeitet, da erfüllte sich ein Traum: Im kommenden Jahr geht es in die USA. Weil Carl in der Westernstadt „Lubbock Town“ bei Weilerswist einen Gesangswettbewerb gewann, darf sie 2011 im richtigen Lubbock, Texas, auftreten.
Die Sängerin, deren musikalisches Vorbild Elton John ist, schreibt bereits an neuen Stücken. Die zweite Vorsitzende der Sängerjugend Rhein-Erft plant zudem ein großes Benefizprojekt: Mit dem Kinder- und Jugendchor Oberaußem, wo sie seit Jahren Stimmbildung macht, nahm sie die Ballade „Sei ein Licht!“ auf. Im Winter soll sie mit Hunderten Chören aus aller Welt aufgeführt werden, „am liebsten auf dem Kölner Weihnachtsmarkt“, jeder Sänger soll dabei eine Lichtquelle in der Hand halten. Der Erlös geht an eine gemeinnützige Organisation.
Der nächste Auftritt von Jolina Carl ist am Sonntag, 15. August, 16 bis 18 Uhr, im Hof von Schloss Paffendorf.
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