Von Robert von Heusinger, 13.08.10, 22:26h
Die großen US-Nachrichtenagenturen sprechen bereits von „Germanys Superman Economy“. Dabei handelt es sich keineswegs um ein Wunder. Drei teils ineinander greifende Erklärungsstränge sind zentral. Da ist erstens Angela Keynes: die Kanzlerin hatte das Glück den richtigen Koalitionspartner im Winter 2008 / 09 zu haben als sie gemeinsam mit Finanzminister Peer Steinbrück Konjunkturpolitik betrieb. Getreu den Lehren des größten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, John Maynard Keynes, wurde der Einbruch der Nachfrage mit höheren Staatsausgaben auf Pump bekämpft. Das hat prima funktioniert und ist der Beweis dafür, dass Nachfragepolitik durchaus wirken kann.
Stärke unter Beweis gestelltZweitens hat das deutsche Konsensmodell seine Stärke unter Beweis gestellt. Denn es waren die Gewerkschaften die erst die Arbeitgeber für längeres Kurzarbeitergeld und Abwrackprämie begeisterten und dann gemeinsam die Regierung überzeugten. Und es waren die Gewerkschaften, die der Beschäftigungssicherung Vorrang gaben und es damit den Unternehmern erleichterten, Jobs zu sichern. Kein anderes großes Industrieland hatte 2009 einen schärferen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts erlitten, kein anderes hatte einen so geringen Anstieg der Arbeitslosigkeit verzeichnet. Und jetzt kann kein anderes Land so rasch die kräftig angesprungene Nachfrage befriedigen.
Drittens und leider am wichtigsten für das starke zweite Quartal: Deutschland ist in der vergangenen Dekade zu einem so genannten „kleinen, ganz offenen Land“ verkommen. So bezeichnen Volkswirte Länder, die ganz stark vom Welthandel abhängen, etwa Holland und Österreich, für deren Wachstum der Gesundheitszustand der Weltwirtschaft entscheidend ist. Und die Weltwirtschaft war und ist noch viel stärker durch Konjunkturpolitik à la Keynes gedopt als die deutsche Wirtschaft. Damit ist das Märchen erzählt. Die deutsche Wirtschaft wird sobald nicht mehr so rasch wachsen, weil weltweit die Konjunkturprogramme auslaufen. Die USA schwächeln bereits. Ein erneuter Absturz ist nicht das wahrscheinlichste, indes ein ernstzunehmendes Szenario.
Deshalb sollte Kanzlerin Merkel nach ihrem Urlaub folgendes tun: Sich über den Aufschwung freuen, Keynes für die Theorie, den Amerikanern und Chinesen für die exzessive Anwendung derselben danken. Danach sollte sie tunlichst alles vermeiden, was die Binnennachfrage bremst, also an erster Stelle Abgaben- und Steuererhöhungen. Will sie Deutschland wieder zum „großen Land“ machen dann muss sie weiter die Nachfrage etwa über Bildungs- oder Infrastrukturinvestitionen stimulieren.
@ teacher
14.08.2010 | 11.11 Uhr | radschläger
Eine Rot-Rot -Grüne Regierung wird nie politisch in der Lage sein die Wirtschaftspolitik einer großen Koalition zu machen. Würde sie dies machen,…
Es wird schon seit Jahren
14.08.2010 | 11.02 Uhr | NinjaGirl
regelmäßig von Politik und Medien das Lied vom Konjunkturaufschwung gesungen.
Wenn all das wahr und all diese Aufschwünge oder nur ein Teil davon…
von heusinger
13.08.2010 | 23.15 Uhr | teacher
wäre eine rot,rot,grüne regierung an der macht würden sie,
herr von heusinger, diese über alles loben.
hervorragend hat die linksregierung die…
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