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Leben am Wasser

Geschnuppert, gefühlt und geklopft

Von Susanne Hengesbach, 13.08.10, 19:14h

Familie Bischoff genießt seit vier Jahren den Blick aus einem Herrenhaus, das jahrelang niemand haben wollte: Der Turmhof fiel vor einigen Jahren in einen Dornröschenschlaf. Die Bischoffs renovierten das 1771 gebaute Anwesen und zogen ein.

Leben am Wasser - Zündorf
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Johann Ignaz Graf Wolff Metternich ließ das Herrenhaus 1771 unmittelbar neben dem mittelalterlichen Wehrturm erbauen. (Bild: Hennes)
Leben am Wasser - Zündorf
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Johann Ignaz Graf Wolff Metternich ließ das Herrenhaus 1771 unmittelbar neben dem mittelalterlichen Wehrturm erbauen. (Bild: Hennes)
Zündorf - Man könnte fast sagen, der Regen war's schuld. Ohne den wären Andreas und Heike Bischoff kaum da, wo sie jetzt sind: an der „Groov“, Sie würden nicht morgens beim Zähneputzen Schwäne beobachten oder durch ihre gläserne Dusch-Abtrennung auf den fast zugewachsenen ehemaligen Rheinarm schauen können, jenen Graben also, dem die Freizeitinsel in Zündorf ihren Namen verdankt.

Es war an einem September-Sonntag im Jahr 2000, als das damals noch unverheiratete Paar von seiner Wohnung in Rodenkirchen zu einer Radtour aufbrach. Die beiden ließen sich vom Fährmann in Weiß zum anderen Ufer bringen, besichtigten die „Pippi-Langstrumpf“-Ausstellung im alten Wehrturm und flüchteten sich anschließend wegen der starken Niederschläge ins nächstliegende Lokal. Dort, im Zündorfer „Turmhof“ sitzend und durchs Fenster aufs Wasser schauend, stellten sie fest: „Wie wunderbar wäre es, wenn man hier wohnen könnte!“

Dass die beiden nun mit ihrem elf Monate alten Sohn Samuel an genau der selben Stelle essen wie damals, ist einer Kombination aus Glück und viel Arbeit zu danken sowie dem Umstand, dass Johann Ignaz Graf Wolff Metternich und seine Frau Antoinette Franziska Freiin von der Asseburg im Jahr 1771 direkt an den Außenmauern des mittelalterlichen Turms ein Herrenhaus erbauen ließen.

Vorerst kann der kleine Samuel mit dem Namen Ludwig van Beethoven wohl nichts anfangen. Aber wenn er etwas größer ist, wird ihm sein Vater von der Terrasse aus das Allianzwappen auf der zum Wasser gerichteten Fassade zeigen und erklären, dass die Erstbewohnerin des Hauses eine Förderin des Komponisten war, weshalb dieser ihr bereits in jungen Jahren eine Klaviersonate widmete.

Einst ein düsteres, verfallenes Loch

Zurück zum Turmhof: Der blieb nicht ewig in gräflicher Hand, sondern ging - samt Zubehör - zu Beginn des 19. Jahrhunderts in den Besitz eines Landwirtes über. 1976 wurde das Herrenhaus schließlich in ein Restaurant umgebaut, das vorübergehend sogar dem Porzer Dreigestirn als Hofburg diente. Der Glanz alter Zeiten verblasste jedoch zunehmend, und als die Pächter aufgaben, war da nur noch „ein richtig düsteres Loch, was keiner mehr haben wollte“. Da nützte es auch nichts, dass man den Gästen vor allem in den Wintermonaten einen zauberhaften Blick garantieren konnte.

Die Immobilie stand jahrelang leer, was irgendwann auch dem damals noch angestellten Architekten Bischoff zu Ohren kam; woraufhin er zugriff - im übertragenen und im wörtlichen Sinne. „Wir haben das Ganze komplett auf links gedreht und uns an den Wänden schier die Fingernägel abgeknibbelt“, meint seine Frau rückblickend. Derweil wurde das Paar von den Zündorfern skeptisch beäugt: „Wie kann mer nur esu ne Driss kaufe. Da is doch alles kapott!“, hieß es damals.

Das war im November 2005. Neun Monate später zog das Ehepaar in die untere Wohnung des Herrenhauses, das nun einer befreundeten Eigentümer-Gemeinschaft gehört. Über den heutigen Zustand der Immobilie dürfte sich - neben den jetzigen Nutzern - auch der Architekt Gottfried Böhm freuen. Er hatte das Haus sowie den Wehrturm und insbesondere dessen Treppenhaus Mitte der 1970er Jahre umgestaltet.

Von Legenden umrankt

Seit ihrem Einzug wissen Andreas und Heike Bischoff allerdings auch, dass nur wenig Menschen ihre Zufriedenheit darüber, etwas Schönes geschaffen zu haben, teilen können. Wer in einem so feudal wirkenden Objekt lebt - noch dazu an derart malerischer Stelle direkt am Ufer - braucht auf Neider nicht lange zu warten. „Wie viel Mühe und wie viele durchgearbeitete Nächte daran hängen, sehen die Leute ja nicht.“

Bevor die Bischoffs die Ärmel hochgekrempelt, die vergammelten Böden rausgerissen und die Wände versetzt haben, hat der Architekt sich einen ganzen Samstag in dem Haus verbarrikadiert. Er hat „geschnuppert, gefühlt und geklopft“, bis er sicher war: „Die Substanz ist ehrlich und sauber.“

Aufgrund der unmittelbaren Nähe zum Wehrturm, dessen Mauer sichtbar wird, wenn man Bischoffs Speisekämmerchen öffnet, hat das Haus zudem etwas Geheimnisvolles. Vor allem in Verbindung mit den Legenden um die Zündorfer Ritter, die möglicherweise an der Überführung der Gebeine der Heiligen Drei Könige beteiligt waren. Außerdem hält sich die Legende, dass sich irgendwo unter dem Haus ein Geheimgang befindet.

Mit dem im Turm gelegenen Museum hat Bischoff nur insofern zu tun, als er ringsherum kehrt. Das tut er überhaupt viel und gern. Als Reaktion auf einen „Graffiti-Anschlag“ im Jahr 2006 hob der Architekt gemeinsam mit zehn anderen engagierten Bürgern vor drei Jahren im Wehrturm den Verein „Groov-Paten“ aus der Taufe. Seitdem ist Zündorf in pflegender Hand.



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