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Initiative

Begegnung ohne Berührungsängste

Von Maria Machnik, 16.08.10, 18:21h

Alle zwei Monate treffen sich Jugendliche mit und ohne Behinderung im „Café for Ju“. Maximilian Weber nimmt auch häufig teil und gibt zu: „Am Anfang hatte ich Berührungsängste.“ Die seien aber verflogen, als eine behinderte Jugendliche auf ihn zugegangen sei.

Café for Ju
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Austausch: Alle zwei Monate treffen sich Jugendliche und junge Erwachsene im „Café for Ju“ im Pfarrzentrum St. Martinus. (Bild: Privat)
Café for Ju
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Austausch: Alle zwei Monate treffen sich Jugendliche und junge Erwachsene im „Café for Ju“ im Pfarrzentrum St. Martinus. (Bild: Privat)
Pulheim-Sinthern - Aus einer einmaligen Aktion ist längst eine regelmäßige Begegnung geworden. Einmalig sei das Angebot aber trotzdem, sagen die, die daran teilnehmen. Alle zwei Monate, jeweils sonntags, 14 bis 17 Uhr, treffen sich ein paar Dutzend Jugendliche im „Café for Ju - Café für Jugendliche und junge Erwachsene mit und ohne Behinderung“ im Pfarrzentrum St. Martinus, Brauweiler Straße 18.

Gemeinsam hören sie Musik oder musizieren, malen, spielen, tanzen, gehen sportlichen Aktivitäten nach oder sitzen einfach nur zusammen und klönen. Einige der Cafégäste suchen das Gespräch mit Mitarbeitern der „Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsangebote für Menschen mit geistiger Behinderung“, kurz KoKoBe, aus.

Eva Müsgen möchte das Café, das vor fünf Jahren als integratives Freizeitprojekt im Firmunterricht entstand, nicht mehr missen. „Es ist eine wichtige Anlaufstelle“, sagt die 24-jährige Sinthernerin. Das Miteinander, frei von Berührungsängsten, und die Chance, sich kennen zu lernen, sich auszutauschen, schätzt die junge Frau. Im „Café for Ju“ könne sie auch schon mal die unabhängige Meinung einer Fachfrau oder eines Fachmannes einholen. „Von Angesicht zu Angesicht ist das einfacher als am Telefon und auch zwangloser.“

Für Eva Müsgen ist das Angebot des katholischen Pfarrverbandes Brauweiler / Geyen / Sinthern aber noch aus einem ganz anderen Grund so wichtig. Da die Angestellte in einem Pulheimer Büro seit Kindertagen im Rollstuhl sitzt und nur eingeschränkt mobil ist, ist sie darauf angewiesen, dass ihre Mutter sie fährt. „Aber ins Café komme ich alleine“, zum Pfarrzentrum sei es nicht weit. Schon allein aus diesem Grund fände die Sinthernerin es schön, wenn das Café häufiger geöffnet wäre.

Eine ganz neue Erfahrung war das „Café for Ju“ für den 19-jährigen Maximilian Weber. Der Geyener ist einer der Messdiener, die im „Café for Ju“ ehrenamtlich helfen und sich um die Jugendlichen kümmern. Vor einem Jahr hat er sich entschieden mitzumachen. Er habe anfangs Berührungsängste gehabt, gibt Maximilian Weber zu. Bei der ersten Begegnung habe er auch nicht recht gewusst, wie er sich verhalten solle. Doch dann habe eine behinderte Jugendliche ihn gefragt, ob er nicht „Vier gewinnt“ mit ihr spielen wolle. „Da waren die Berührungsängste wie weggeblasen.“

Mathilde Plaßmann, Mutter eines 14-jährigen Sohnes mit Down-Syndrom (Trisomie 21), ist froh, dass es das Sonntagsangebot gibt. „Es ist eine Erleichterung, sonst würde Felix den ganzen Sonntag zu Hause verbringen“, sagt die Brauweilerin. Samstags könne sie ihren Sohn in das Jugendhaus des Vereins „Miteinander leben“ in Köln-Sürth bringen. Sonntags sei das anders, daher sei sie froh, dass es das „Café for Ju“ gibt. „Felix hat Spaß, er ist ausgepowert, wenn er nach Hause kommt, und hat mal etwas anderes als seine Eltern“, sagt Mathilde Plaßmann.

Da das „Café for Ju“ im Stadtgebiet Pulheim etwas Besonderes ist, würden es Eva Müsgen, Mathilde Plaßmann und Maxiliam Weber begrüßen, wenn es das Sonntagsangebot häufiger und nicht nur alle zwei Monate gäbe. Eine Einrichtung ähnlich wie das Jugendhaus in Köln-Sürth, hervorgegangen aus einer Initiative, wünscht sich Mathilde Plaßmann. „Ich habe tausend Ideen, aber wir brauchen auch Leute“, sagt Klaus Grüning, einer der Initiatoren des „Café for Ju“, das die Stiftung der Familie Berghe von Trips, der Landschaftsverband Rheinland und die Stadt finanziell unterstützen. Er habe auch die Idee, einen Verein zu gründen.

Erstmals gibt es am Donnerstag, 18. August, 9 bis 17 Uhr, im „Café for Ju“, Pfarrheim St. Martinus, Brauweiler Straße 18, Ferienspiele. Das nächste „Café for Ju“ ist wegen des Pfarrfestes für Samstag, 25. September, ab 17 Uhr, im Sintherner Fronhof geplant.



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