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Leichtathletik

Ein schöner Gruß an die Welt-Elite

Von Susanne Rohlfing, 23.08.10, 18:00h, aktualisiert 23.08.10, 19:18h

Zum Istaf-Auftakt gewann Christina Obergföll mit einer begeisternden Leistung den Speerwurf vor Linda Stahl. Es war ein faszinierendes Comeback der ehemaligen Speerwurf-Europarekordlerin aus Offenburg.

Christina Obergföll
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Christina Obergföll. (Bild: GI)
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Christina Obergföll. (Bild: GI)
BERLIN - Sportler mögen Rituale. Wenn ein Wettkampf gut gelaufen ist und sie sich vorher mit einem bestimmten Shampoo die Haare gewaschen oder ein spezielles Lied gehört haben, wenn sie ein Maskottchen dabei hatten oder die immer gleichen Gesten mit dem Trainer getauscht haben, dann neigen sie dazu, es beim nächsten Mal wieder zu tun. Wieder und wieder. Weil sie glauben, anders nicht mehr erfolgreich sein zu können. So macht die Hochspringerin Ariane Friedrich vor jedem Anlauf mit zwei Fingern das Victory-Zeichen in Richtung ihres Trainers, und Siebenkämpferin Jennifer Oeser hat immer ihren Glücksbringer, das „Schwein vom Rhein“ dabei.

Von Christina Obergföll, der ehemaligen Speerwurf-Europarekordlerin aus Offenburg, ist ein ähnliches Ritual bislang nicht bekannt. Seit Sonntag hätte sie jedoch allen Grund, künftig vor jedem Wettkampf die Nacht durchzufeiern. Das tat sie nämlich vor dem Internationalen Stadionfest (Istaf) in Berlin, weil ihre beste Freundin heiratete. Ohne geschlafen zu haben reiste Obergföll zum Istaf - und siegte. Mehr als das: Sie hat sich zurück gemeldet und gezeigt, dass sie noch immer gewinnen kann.

„Ostern, Weihnachten und Geburtstag zusammen“

„Das fühlt sich an wie Ostern, Weihnachten und Geburtstag zusammen“, sagte sie über ihren Triumph mit 67,57 Metern. Europameisterin Linda Stahl wurde mit 61,82 Metern Zweite, Kara Patterson aus den USA mit 60,97 Metern Dritte. Geburtstag hatte Christina Obergföll am Sonntag tatsächlich, sie wurde 29 Jahre alt. Und noch vor dem Start ihres Wettkampfes hatten die gut 46 000 Zuschauer im Berliner Olympiastadion ihr ein Ständchen gebracht. Aber auch die anderen deutschen Leichtathleten wurden enthusiastisch gefeiert. Zumindest in Berlin führt die deutsche Leichtathletik nicht das Schattendasein, für das sie sich immer so gern selbst bemitleidet.

Christina Obergföll hatte schon am Donnerstag in Zürich endlich mal wieder gewonnen, aber ihre dort aufgestellte Saisonbestleistung steigerte sie in Berlin noch einmal um 26 Zentimeter. Und sie bereitete dieser Sache mit den Leverkusenerinnen ein Ende. „Das drohte wirklich schon zum Trauma zu werden“, sagte Obergföll. Bei der WM 2009 in Berlin siegte die Leverkusenerin Steffi Nerius. Obergföll wurde Fünfte. Bei den deutschen Meisterschaften in diesem Jahr in Braunschweig gewann die Leverkusenerin Katharina Molitor. Obergföll wurde Zweite. Bei der EM vor drei Wochen in Barcelona holte sich die Leverkusenerin Linda Stahl den Titel. Obergföll wurde Zweite - und nun bemitleideten sie die Kollegen aus anderen Disziplinen. Ariane Friedrich habe zu ihr gesagt: „Na, in Deiner Haut möchte ich aber auch nicht stecken“, erzählt Obergföll. Diskuswurf-Weltmeister Robert Harting sagte: „Du bist aber auch arm dran.“

Die guten Jahre 2007 und 2008 schienen so weit weg. Ihre Würfe über die 70-Meter-Marke sowieso. „Womit habe ich das verdient, ich weiß nicht, wie lange ich das noch aushalte“, hat sie ihrem Freund, dem ehemaligen Speerwerfer Boris Henry, gesagt. Seine Antwort, „du bekommst Deine Belohnung schon noch“, verlor von Niederlage zu Niederlage an Überzeugungskraft.

„Ich gönne Christina wirklich, dass sie jetzt zeigt, was sie kann“, sagte Linda Stahl nach dem Istaf. Bei ihrem eigenen Siegwurf bei der EM sei auch „eine große Portion Glück“ dabei gewesen. Das habe Obergföll zuletzt immer gefehlt. „Aber wir wissen, was sie drauf hat, wir wissen, dass sie wieder 70 Meter werfen kann.“

Über die 70 Meter spricht Obergföll lieber nicht gleich wieder. Sie sagte nach ihrem Triumph nur: „Daraus schöpfe ich Kraft für die WM im nächsten Jahr und die Olympischen Spiele 2012.“ Es sei wichtig gewesen, der Weltelite zu zeigen: „Hey, ich bin auch noch da.“ Und der Öffentlichkeit zu beweisen: „Meine Zeit ist noch nicht abgelaufen.“ Dass sie jetzt vor jedem wichtigen Wettkampf die Nacht durchfeiern könnte, schließt Obergföll aber aus. Sie sagt: „Das funktioniert nur einmal.“



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