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Religionsstreit

Hoffnung für die Christen in Tarsus

Von Gerd Höhler, 24.08.10, 22:37h, aktualisiert 01.11.10, 10:44h

Die Türkei signalisiert im Konflikt um die Pauluskirche in Tarsus ein Entgegenkommen. Der Chef der türkischen Religionsbehörde, Ali Bardakoglu, ist dafür, christliche Gottesdienste in der Kirche wieder dauerhaft zu erlauben.

Pauluskirche in Tarsus
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Die Pauluskirche in Tarsus. (Bild: dpa)
Pauluskirche in Tarsus
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Die Pauluskirche in Tarsus. (Bild: dpa)
Bericht vom 25.8.2010

Es bewegt sich etwas im jahrelangen Tauziehen um die Pauluskirche im südtürkischen Tarsus: Ali Bardakoglu, der einflussreiche Chef der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet, hat sich jetzt dafür ausgesprochen, die christliche Kirche wieder dauerhaft für Gottesdienste zu öffnen. Bardakoglu macht sich damit eine von türkischen und ausländischen Christen seit langem erhobene Forderung zu eigen. Die mittelalterliche Kirche, die dem Apostel Paulus geweiht ist, der in Tarsus geboren wurde und hier wirkte, wurde 1943 von den türkischen Behörden verstaatlicht und lange als Lagerhaus genutzt. Heute ist sie ein Museum.

Während des Paulusjahres, das die katholische Kirche 2008 ausgerufen hatte, war die Kirche dank einer Sondergenehmigung für Gebete geöffnet. Ansonsten mussten aber gelegentliche Gottesdienste jeweils von den Museumsbehörden genehmigt werden. Die Pauluskirche ist damit zu einem Symbol für die Diskriminierungen und Einschränkungen geworden, mit denen Christen in der Türkei zu kämpfen haben. Vor allem der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner setzt sich seit Jahren intensiv dafür ein, die Pauluskirche wieder uneingeschränkt als christliches Gotteshaus nutzen zu können.

Jetzt erklärte Diyanet-Chef Bardakoglu, auch er fände es „richtiger, wenn die Pauluskirche als Gotteshaus genutzt werde statt als Museum“. Das Gebäude sei „ein heiliger Ort für die Christen, die dort religiöse Zeremonien abhalten wollen“, sagte Bardakoglu der Zeitung „Milliyet“. Es sei deshalb „unverständlich“, dies zu verbieten. Er werde häufig im Ausland auf das Thema angesprochen und könne nicht erklären, wieso das Gebäude weiter als Museum eingestuft ist.

Christliche Gemeinden sind in der Türkei, deren Bewohner zu 99 Prozent Muslime sind, bisher so gut wie rechtlos. Die Europäische Union, mit der die Türkei über einen Beitritt verhandelt, mahnt seit Jahren mehr Freiheit für nicht-muslimische Religionsgemeinschaften an. Es gibt in jüngster Zeit jedoch Anzeichen einer Öffnung. So traf Ministerpräsident Tayyip Erdogan im Sommer 2009 auf der Insel Büyükada im Marmarameer mit den geistlichen Führern orthodoxer Kirchen und dem jüdischen Oberrabiner zusammen. Zum Feiertag Mariä Himmelfahrt durften griechisch-orthodoxe Christen jetzt erstmals seit über 80 Jahren eine Messe im Kloster Sumela im Nordosten der Türkei feiern. Es gibt auch Anzeichen dafür, dass die Türkei eine Wiedereröffnung des 1971 vom Staat geschlossenen orthodoxen Priesterseminars von Halki auf der Insel Heybeliada bei Istanbul gestatten könnte.



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