Von Oliver Görtz, 25.08.10, 15:14h
„Das ist natürlich nur ein Scherz“, versicherte eilig Willi Werner, Pressesprecher der Mongolen-Horde. Im 13. Jahrhundert hätte ein mongolischer Herrscher mit solchen Dingen jedoch keine Späße gemacht, erklärte Werner. „Mongolische Männer durften früher so viele Frauen haben, wie sie ernähren konnten.“ Unter anderem solche historischen Fakten und Begebenheiten wollen die Kölner „Zentralasiaten“ mit ihrem Zeltlager den Besuchern nahe bringen. „Wir wollen zeigen, wie die Mongolen im zwölften und 13. Jahrhundert gelebt haben“, sagte Werner, dessen mongolischer Name Tatatunga ist. Tatatunga hieß ein Berater des Khan und bedeutet so viel wie „jener, der der Schrift mächtig ist“, erläuterte Werner - durchaus passend für den Pressesprecher des Vereins. 20 große „Gers“, wie die Zelte der Mongolen heißen, umfasste das Lager. Die Gers sind nach historischen Vorgaben eingerichtet: Frauen haben ihre Dinge links, Männer rechts, gegenüber des Eingangs steht ein kleiner Schamanen- oder buddhistischer Altar. Auf die hölzerne Türschwelle draufzutreten ist verpönt, da dies die Hausgeister erzürnt; deshalb klopft man auch nicht an, sondern bittet rufend um Eintritt. Und je näher der Gast an der Tür platziert wird, desto unwillkommener ist er. „Wer sich also auf den Hocker neben der Tür setzen soll, dem sagt man damit: »Am besten gehst Du gleich wieder«“, erklärte Werner.
Wurzeln liegen im Karneval
Neben den aufwändig möblierten Gers, in denen die Mitglieder während des Lagers wohnten, hatte die Horde auch ein eher unmongolisches Programm, etwa mit Schlagern und kölschen Lieder. „Die Wurzeln unseres Vereins liegen im Karneval“, sagte Werner. Zwar sind sie inzwischen fast mehr Hobby-Historiker als Fastelovendsjecke, aber der Karneval ist nach wie vor wichtiger Bestandteil des Clubs. So gehen sie jedes Jahr in den Zügen von Longerich und Heimersdorf mit. Und auf der Bühne des Lagers wurden karnevalistische Einlagen präsentiert.
Dessen ungeachtet wird auch der aktuelle Khan bald „sterben“. Das macht er jedes Jahr. „Sterben“ heißt bei den kölschen Mongolen, sein „Tod“ wird symbolisch gespielt. Daraufhin wird sein Nachfolger gewählt. „Myan munkelt, der jetzige Khan wird in einer Käserei umkommen“, lachte Werner, „seit der Fußball-WM ist er Holland-Fan. Wir machen das immer etwas lustig und nehmen es nicht so ernst.“ Ob der Khan von einem Gouda erschlagen wird, oder in Milch ertrinkt ist noch unklar. „Aber sterben muss er“, sagte Werner.
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