Erstellt 25.08.10, 17:01h, aktualisiert 26.08.10, 13:26h
HARALD JERS: Danke. Tatsächlich wurden wir seit Jahren mit Preisen verwöhnt. Wettbewerbe sind ein guter Ansporn, die Leistung zu steigern. Davon profitiert ein Chor noch Jahre lang. Man kann Partner für gemeinsame Projekte finden. Außerdem ist der Austausch spannend: Wie singt man Brahms in Argentinien und Samba in Puerto Rico?
Gab es starke Konkurrenten im ungarischen Debrecen?
JERS: Ja, der Bartók-Wettbewerb lässt auch Profi-Chöre zu. Debrecen ist eine von sechs Städten zwischen Spanien und Ungarn, die Grand Prix-Wettbewerbe mit je eigenem Profil ausrichten. Übrigens nicht zu verwechseln mit Wettbewerben, die Reiseveranstalter organisieren, weil sie Chöre als Reisekunden entdeckt haben. Die Ungarn wollen viel neue Musik hören.
Und damit kennt sich Concono aus, das war ein Anreiz für uns. Zwei Pflichtstücke stammten von ungarischen Komponisten, von Ferenc Farkas und dem jungen Levente Gyöngyösi, der zugehört hat und nun speziell für uns etwas schreiben möchte.
Das ist ein schönes Kompliment.
JERS: Ja. Sonst nehme ich gern Kontakt mit den Komponisten auf, um zu erfahren, was hinter ihrem Stück steht, was ihre Intention ist. Beim Wettbewerb habe ich das nicht getan, weil die Jury es übel nehmen könnte. So war Gyöngyösi uns noch fremd.
Womit haben Sie beim Grand Prix gepunktet?
Juroren - ich wirke manchmal selbst als Juror mit - fanden, dass wir die Musik gut zum Publikum rübergebracht hätten, anders als etwa ein Profi-Chor, der technisch besser war, aber eher nur Noten referiert hat. Für Debrecen musste man viel vorbereiten. Bei den freien Stücken konnte man zeigen, was der Chor kann, und verstecken, was er nicht so gut kann.
Was kann Consono denn besonders gut, und was nicht?
JERS: Wir können gut Klangfarben schattieren. Weniger gut sind wir in schnellen rhythmischen Stücken. Jedenfalls im Vergleich zu Chören aus Brasilien oder Puerto Rico, die auf der Bühne förmlich tanzen.
Ist der Grand Prix für Consono eine Art Ritterschlag?
JERS: Ja. Die Sieger aller sechs Grand Prix-Wettbewerbe treten 2011 in Tolosa / Spanien an, zum „European Choral Grand Prix“. Das Finale hat noch kein deutscher Chor gewonnen. Da müssen wir bescheiden herangehen.
Sie sind ja außerdem Physiker mit Spezialgebiet Chorakustik. Was können Musiker aus akustischer Forschung lernen?
JERS: Als Musiker und Physiker weiß ich, was Chor- und Orchesterleiter wissen wollen. Nehmen Sie etwa die Raumgröße. Der Konzertsaal ist meist größer als der Probenraum. Damit steigt die Nachhallzeit, und zwar unterschiedlich für hohe und tiefe Frequenzen. Das irritiert Sänger. Chorleiter können dem vorbeugen, wenn sie die Klangverhältnisse schon bei Proben vorjustieren. Akustiker bauen in Säle wie der Philharmonie Schallabsorber ein. Aber ein Kölner Dom bleibt schwierig. Wer hier Bach singt, tut das nicht wegen des tollen Klangs. Sondern wegen der Ehre, im Dom aufzutreten.
Das Gespräch führte Marianne Kierspel| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
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