Von Magnus Heier, 30.08.10, 14:52h
Im Schatten dieser Diskussion hat sich in aller Stille längst ein wirkliches Datenschutzproblem aufgetan: Wir alle hinterlassen nämlich ständig Spuren im Internet, die sehr viel intimer und schützenswerter sind als die Fassade unseres Hauses. Es geht hier nicht um Pornografie oder Drogen - auch ein „unbescholtener Bürger“ hat viel, was er lieber verbergen sollte, vor allem, wenn er krank wird. Ein Beispiel: Sie bekommen von Ihrem Arzt eine Diagnose mitgeteilt, sagen wir: Multiple Sklerose. Sie werden sich in diesem Moment auf die Suche von Informationen begeben - telefonisch bei Freunden, in Büchern, vor allem aber im Internet: bei Selbsthilfegruppen, auf den Informationsseiten der Universitäten, in Diskussionsforen. Und Google weiß das - heute und für immer. Denn Google und die anderen Suchmaschinen im Internet vergessen nie.
Freiheiten für Fahnder
Aber auch andere sammeln Daten: Wer einmal beim Onlineshop (zu deutsch: Internetgeschäft) Amazon irgendeinen Artikel bestellt oder auch nur nach ihm gesucht hat, weiß das: Amazon hat sich die Bestellung bemerkt und schickt noch Monate später Angebote, die sich auf genau diese Suche beziehen. Ein Buch über Alkoholsucht hätte man aber gerne diskret gesucht.
Und noch etwas: Das seit drei Jahren gültige Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung erlaubt es, dass Fahnder auf solche Daten zugreifen. Sie dürfen den Inhalt einer Mail nicht lesen, aber deren Adressaten. Sie wissen dann etwa, dass sie mit den Anonymen Alkoholikern in Kontakt stehen oder mit einer Spezialsprechstunde für Sexualdelikte. Am Bewegungsprofil Ihres Handy kann man sogar ablesen, wann und wie lange Sie in dieser Sprechstunde waren.
In wenigen Jahren wird es noch sehr viel mehr persönliche Daten geben. Denn Gentests machen aus Ihnen einen gläsernen Menschen. Sie haben keine Krankheiten? Sie haben aber Krankheitswahrscheinlichkeiten - und die liegen in den Genen. Auch wenn man nichts dagegen tun kann. Es ist höchste Zeit für einen vorsichtigen Umgang mit diesen sensiblen Daten, vor allem im Internet. Unser Problem heißt nicht „Street View“ - unser Problem heißt eher „Body View“, der gläserne Körper.
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