Schriftgröße

Google

Das Internet macht Patienten gläsern

Von Magnus Heier, 30.08.10, 14:52h

Wir alle hinterlassen Spuren im Internet - auch wenn wir unsere Krankheiten im Netz googeln. Es ist höchste Zeit für einen vorsichtigen Umgang mit diesen sensiblen Daten. Sonst kommt nach „Street View“ bald „Body View“.

Gläserner Patient
Bild vergrößern
Nichts bleibt verborgen. (Bild: Thinkstock)
Gläserner Patient
Bild verkleinern
Nichts bleibt verborgen. (Bild: Thinkstock)
Deutschland kämpft gegen Google, konkret gegen Googles neues Angebot „Street View“. Für alle, die in den vergangenen Wochen unerreichbar im Urlaub waren: Street View ist nichts anderes als die Straßenansicht von Häusern und Vorgärten im Internet - genau das, was man sieht, wenn man auf der Straße spazieren geht. Ein Fall für den Datenschutz oder doch eher eine Posse für unterbeschäftigte Journalisten und Politiker?

Im Schatten dieser Diskussion hat sich in aller Stille längst ein wirkliches Datenschutzproblem aufgetan: Wir alle hinterlassen nämlich ständig Spuren im Internet, die sehr viel intimer und schützenswerter sind als die Fassade unseres Hauses. Es geht hier nicht um Pornografie oder Drogen - auch ein „unbescholtener Bürger“ hat viel, was er lieber verbergen sollte, vor allem, wenn er krank wird. Ein Beispiel: Sie bekommen von Ihrem Arzt eine Diagnose mitgeteilt, sagen wir: Multiple Sklerose. Sie werden sich in diesem Moment auf die Suche von Informationen begeben - telefonisch bei Freunden, in Büchern, vor allem aber im Internet: bei Selbsthilfegruppen, auf den Informationsseiten der Universitäten, in Diskussionsforen. Und Google weiß das - heute und für immer. Denn Google und die anderen Suchmaschinen im Internet vergessen nie.

Freiheiten für Fahnder

Aber auch andere sammeln Daten: Wer einmal beim Onlineshop (zu deutsch: Internetgeschäft) Amazon irgendeinen Artikel bestellt oder auch nur nach ihm gesucht hat, weiß das: Amazon hat sich die Bestellung bemerkt und schickt noch Monate später Angebote, die sich auf genau diese Suche beziehen. Ein Buch über Alkoholsucht hätte man aber gerne diskret gesucht.

Und noch etwas: Das seit drei Jahren gültige Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung erlaubt es, dass Fahnder auf solche Daten zugreifen. Sie dürfen den Inhalt einer Mail nicht lesen, aber deren Adressaten. Sie wissen dann etwa, dass sie mit den Anonymen Alkoholikern in Kontakt stehen oder mit einer Spezialsprechstunde für Sexualdelikte. Am Bewegungsprofil Ihres Handy kann man sogar ablesen, wann und wie lange Sie in dieser Sprechstunde waren.

In wenigen Jahren wird es noch sehr viel mehr persönliche Daten geben. Denn Gentests machen aus Ihnen einen gläsernen Menschen. Sie haben keine Krankheiten? Sie haben aber Krankheitswahrscheinlichkeiten - und die liegen in den Genen. Auch wenn man nichts dagegen tun kann. Es ist höchste Zeit für einen vorsichtigen Umgang mit diesen sensiblen Daten, vor allem im Internet. Unser Problem heißt nicht „Street View“ - unser Problem heißt eher „Body View“, der gläserne Körper.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

Anzeige


Videos zum Thema


Gesundheit von A-Z

Gesundheit von A-Z

Selbsttest

BMI Rechner

Errechnen Sie Ihren Body-Mass-Index!

Ihr Gewicht (in kg)
Ihre Körpergröße (in cm)
Alter (in Jahren)


Themenseiten


Bildergalerien


„wir helfen“


Extra



Medikamenten-Preisvergleich

Immer die besten Preise
Suche nach Name,
Hersteller oder PZN:

Extra


Aktion


Kolumne


Dienste