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Aufklärung gefordert

Wirbel um Straßennamen

Von Horst Komuth, 26.08.10, 17:20h, aktualisiert 26.08.10, 18:14h

Mitglieder der „Antifaschistischen Aktion Erftstadt“ haben in Friesheim ein Straßenschild überklebt. Die Straße ist nach der umstrittenen Schriftstellerin Agnes Miegel benannt.

Umbenennung gefordert
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Dieses Straßenschild wurde von den Linksaktivisten überklebt.
Umbenennung gefordert
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Dieses Straßenschild wurde von den Linksaktivisten überklebt.
Erftstadt - Für einigen Wirbel sorgte in Friesheim eine Initiative der „Antifaschistischen Aktion Erftstadt“. Ihre Mitglieder überklebten ein Straßenschild in Friesheim, das nach der deutschen Schriftstellerin und Balladendichterin Agnes Miegel (1879 bis 1964) benannt ist. Die kleine Straße im Süden des Stadtteils war vor etlichen Jahren nach der Dichterin benannt worden, da in dem Wohnviertel ohnehin Straßen nach den Namen von Schriftstellern benannt sind.

Die Aktionsgruppe bezeichnet Miegel als überzeugtes Mitglied der NSDAP und der NS-Frauenschaft. Sie habe Hitler sogar drei Gedichte gewidmet. „Es kann nicht sein, dass einerseits Straßen in Erftstadt nach Widerstandskämpfern im Dritten Reich benannt werden und gleichzeitig eine bekennende Nationalsozialistin und Verehrerin Adolf Hitlers als Namensgeberin fungiert“, erklärte die 20-jährige Luca Plette von der Antifa Erftstadt. Die Aktivisten wollen erreichen, dass die Straße stattdessen den Namen eines Friesheimer Opfers des Nationalsozialismus trägt. Namensgeber solle Salomon Franken sein. Er war ein Jude aus Friesheim, der dort 1895 geboren worden war und laut Antifaschistischer Aktion 1945 höchstwahrscheinlich im Vernichtungslager Auschwitz ermordet worden war. Zwei seiner drei gemeinsamen Kinder mit seiner Frau Else hätten ins heutige Israel fliehen können. Der jüngste Sohn sei gemeinsam mit seinen Eltern von Friesheim ins KZ Theresienstadt und von dort aus 1945 nach Auschwitz deportiert worden, wo sich die Spur der drei Schicksale verloren habe.

„Salomon Franken steht hier symbolisch für die vielen namenlosen - auch Erftstädter - Opfer, die von der deutschen Gesellschaft stigmatisiert, entrechtet, ausgeschlossen und letztlich ermordet wurden. Wir denken, dass diese Opfer gedacht, ihre persönlichen Leiden und Lebensgeschichten im Gedächtnis behalten werden sollten“, erläutert Antifa-Aktivist Marcel Schrink die Namenswahl. Anwohner waren mit Flugblättern über die provisorische Umbenennung und deren Hintergründe informiert worden. In einem Brief an den Stadtrat fordern die Aktivisten nicht nur die sofortige Umbenennung, sondern auch ein klares politisches Bekenntnis der Stadt.

Friesheims Ortsbürgermeisterin Claudia Siebold drängt darauf, dass der Sachverhalt rasch und gründlich aufgeklärt wird. Gegebenenfalls müssten die Konsequenzen gezogen werden. In der Stadtverwaltung zeigt man sich für eine Prüfung der Sache aufgeschlossen. „Das ist ein Thema, über das man reden und dann gegebenenfalls auch die Konsequenzen ziehen muss“, sagt Ordnungsdezernent Volker Erner. Allerdings habe der Aufkleber auf dem Straßenschild aus rechtlichen Gründen erst mal von Mitarbeitern der Stadt entfernt werden müssen.

Das Verhältnis der Schriftstellerin Miegel zum Nationalsozialismus müsse genau geprüft werden. Erner will zu dem Zweck auch mit dem Heimatforscher Cornelius Bormann sprechen, der zusammen mit seiner Frau das Buch „Heimat an der Erft - Die Landjuden in den Synagogengemeinden Gymnich, Friesheim und Lechenich“ verfasst hatte. Wenn das Ergebnis der Recherchen über Miegel vorliege, werde die Verwaltung einen Vorschlag machen und die Bürger am weiteren Verfahren beteiligen. Ratsherr Christian Kirchharz stellte zu dem Thema bereits einen umfassenden Antrag an die Verwaltung. Demzufolge soll auch geprüft werden, ob es weitere problematische Straßennamen im Stadtgebiet gibt. Sollte die Miegel-Straße umbenannt werden, böte sich laut Kirchharz eine Benennung nach dem vor einigen Jahren verstorbenen Friesheimer Pfarrer Manfred Wahl an.



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