Von Joachim Wille, 26.08.10, 21:48h, aktualisiert 27.08.10, 00:25h
Das war Zucker für die Gastgeber. Aber mit geringer Süßkraft. Denn: Wie lange man die Atomkraft als „Brückentechologie“ noch braucht, das sagte sie nicht. Diese Frage sei weiter offen. Das werde man sehen, und zwar Ende September, wenn das Energiekonzept des Bundes fertig ist, kündigte sie an. „Erst dann.“
Noch einen Monat Druck. Und Gegendruck. Die mächtigste Physikerin des Landes hatte sich Anfang der Woche ja heftig beschwert über ein „Gepresstwerden“ im politischen Raum, das bei ihr „meistens zu einer totalen Gegenbewegung“ führe. Nun also, kurz danach, traf sie mit den Strombossen zusammen, die ihren Druck per konzertierter Anzeigenkampagne aufgebaut hatten. Neben Großmann war auch Eon-Chef Johannes Teyssen nach Lingen gekommen, dessen Konzern mit 12,5 Prozent am dortigen AKW beteiligt ist.
ksta.tv: „Merkel will Beitrag für erneuerbare Energien“
Die Situation war also gespannt, zumal Merkel ihren Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) mitbrachte, der bei den AKW-Bossen inzwischen wirkt wie ein rotes Tuch. Der Minister hatte kürzlich verkündet: „Dieses Oligopol verdiene so gut, dass es die Milliarden für die neue Brennelementsteuer doch locker bezahlen könnte“. Großmann und Teyssen bemühten sich sichtlich, nicht noch mehr Druck zumachen, des Gegendrucks wegen. Die Stimmung beim Merkel-Besuch sei „gut“ gewesen, sagten sie unisono. Es sei ja immer besser, „miteinander zu sprechen, nicht übereinander“, meinte der RWE-Boss. Merkel sei gut informiert, wie immer, interessiert, sie habe ja etwas lernen wollen. Und das habe sie, so machten sich die beiden Bosse Mut. Großmann aber legte dar, zwischendrin, beim Mittagessen, wie hart die Brennelementesteuer seine AKW treffen würde. Da bleibe am Ende kaum noch Gewinn. „Da sehen sie, wie gering der Spielraum noch ist“, sagte er. Merkel indes ließ sich nicht beirren. Die 2,3-Milliarden-“Abgabe“ werde kommen, dekretierte sie, zudem müssten die Stromkonzerne noch einen Beitrag zu Förderung der Ökoenergien tun. Allerdings nicht in Form von Geld. Aber wie dann? Das ließ sie offen.
Energieversorgung: Konzerne bezahlen Gutachter
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