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„Ein Krimi ist wie eine Fuge“

Von Karin Grunewald, 27.08.10, 16:24h

Oliver Buslau ist Jahrgang 1962, hat acht Jahre Musikwissenschaft, Germanistik und Bibliothekswissenschaft studiert, wollte früher mal Komponist werden, wurde aber freischaffender Autor im Bergischen Land. Mit seinem Romanhelden Remigius Rott hat er viel gemeinsam.

Oliver Buslau
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In Oliver Buslaus Arbeitszimmer dominiert die Bücherwand, in der sich neben Werken von Stephen King bis Jean Paul Sartre auch ein ganzes Regal mit Fachliteratur zu kreativem Schreiben befindet. (Bild: RN)
Oliver Buslau
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In Oliver Buslaus Arbeitszimmer dominiert die Bücherwand, in der sich neben Werken von Stephen King bis Jean Paul Sartre auch ein ganzes Regal mit Fachliteratur zu kreativem Schreiben befindet. (Bild: RN)
Bergisch Gladbach - Remigius Rott ist Jahrgang 1962, hat zehn Jahre BWL, Jura und Philosophie studiert, wollte früher mal Polizist werden, wurde aber Privatdetektiv im Bergischen Land - meistens ist er abgebrannt, etwas launisch und er wartet auf den „ganz spektakulären Fall“. Oliver Buslau ist ebenfalls Jahrgang 1962, hat acht Jahre Musikwissenschaft, Germanistik und Bibliothekswissenschaft studiert, wollte früher mal Komponist werden, wurde aber freischaffender Autor im Bergischen Land. Die Hauptperson seiner Krimireihe heißt Remigius Rott.

Wie man nicht Komponist wird, kann sich jeder vorstellen. Wie aber wird man stattdessen Schriftsteller? „Ich wollte schon im Teenie-Alter freier Autor werden“, sagt Buslau, der in Gießen geboren wurde, in Koblenz aufwuchs und seit 18 Jahren in Bergisch Gladbach lebt. Doch Teenie-Wünsche allein bewirken gemeinhin nicht viel. „Man muss es einfach tun“, sagt Buslau lapidar. Er tat es Ende der 90er Jahre und schrieb „Die Tote vom Johannisberg“. Mit ein bisschen Glück, dass die Wuppertaler Stadthalle, in der sein erster Mordfall geschieht, zu der Zeit Jubiläum feierte, wurde sein Buch angenommen. „Ich raste zu meiner Frau, die gerade unter der Dusche stand, und war völlig euphorisch“, erinnert er sich. Die Ernüchterung folgte bei seinem ersten Besuch im Verlag. „Das Lektorat legte mir eine Art Stundenplan vor, in dem Handlung und Charakter meiner Figuren im Zeitverlauf eingetragen waren - es stimmte hinten und vorne nicht“, erzählt er. Das war im Oktober. Bis November möge er es nochmal versuchen. „Ich habe es noch zweimal versucht“, gesteht Buslau, „und am Ende hat sich sogar geändert, wer der Mörder war.“ Doch das Buch erschien, sechs weitere „Rotts“ folgten und ein siebter ist in Arbeit.

Beflügelt von Erfolg und Erfahrung gründete Oliver Buslau im Jahr 2000 „TextArt“, die bis heute einzige deutsche Zeitschrift, die sich mit kreativem Schreiben befasst. „Wir gehen immer noch vom Genie-Kult aus“, sagt er, „Schreiben hat aber auch viel mit Handwerk zu tun.“ Er bedauert, dass es in ganz Deutschland nur in Leipzig und Hildesheim möglich sei, Schriftstellerei zu studieren. „In den USA kann man sogar Krimi-Autor studieren und jeder Student muss kreatives Schreiben belegen.“

Oliver Buslau lernte sein Handwerk. In seinem Arbeitszimmer dominiert die Bücherwand, in der sich neben Werken von Stephen King bis Jean Paul Sartre ein ganzes Regal allein mit Fachliteratur zu kreativem Schreiben befindet. Seither „plant“ Buslau seine Bücher, kennt sie schon genau, bevor er überhaupt die erste Zeile geschrieben hat. Danach geht es darum, aus Zeilen Seiten, aus Seiten Szenen und aus einem Buch einen Film zu machen. „Ich will, dass der Leser vergisst, dass er liest“, sagt Buslau, „das muss Kopfkino sein.“ Ein kleines Beispiel hat er parat: Es sei langweilig, zu schreiben, dass jemand Eier kaufe und sie in der Küche zubereite. Da müsse „Brandgeruch“ sein und „ein mehlbestäubtes Kochbuch“. Man müsse „gucken, riechen und fühlen“ können.

Derartige Regeln für das Schreiben lassen sich lernen, doch will Wissen angewandt werden. „Schreiben kann man nicht verstehen“, sagt Oliver Buslau, „man muss es üben.“ Dazu gehöre neben Wissen und Kreativität auch Zeit und Disziplin. Eine überdimensionale Sanduhr auf seinem Schreibtisch hilft ihm dabei. „Solange sie läuft, schreibe ich - und wenn über mir das Haus abbrennt.“ Weitere Helfer sind kleine Notizblätter, die im Haus und in Jackentaschen verteilt sind, damit sich flüchtige Ideen nicht verflüchtigen. „Bollerich“ steht auf einem. Ob Bollerich im Papierkorb oder als Figur in einem Roman endet, steht in den Sternen, aber der Name zumindest schon auf dem Zettel.

Angefangen hat Oliver Buslau als Autor für Musikzeitschriften, CD-Produzenten und Orchester. Heute sagt er: „Musik betrifft vor allem meine Vergangenheit.“ Doch so recht glauben mag man das nicht. Buslau, der Klavier und Bratsche im Kammerorchester spielt, lässt die Musik auch in seinen Romanen durchklingen. Im vergangenen Jahr erschien „Die 5. Passion“. Das Buch spielt nicht im Bergischen, sondern unter anderem in Leipzig und im unterirdischen Paris. Die Hauptperson ist nicht Remigius Rott, sondern eine Opernsängerin, die jedoch im dem Musik-Thriller nicht weniger detektivisch unterwegs ist.

„Ich wollte darstellen, dass Musik nicht nur oberflächlicher Sinnesgenuss ist, sondern Dimensionen hat, von denen man heute kaum mehr etwas weiß“, erklärt Oliver Buslau. Es geht um geheimnisvolle Botschaften und mathematische Grundlagen in der Musik, die früher üblich waren und heute beinahe etwas Mystisches an sich haben. Seinen ersten Roman begann Buslau in der Mozart-Stadt Salzburg und auch für die Beschreibung des Genres Krimi zieht er einen Vergleich aus der Musik heran: „Ein Krimi ist wie eine Fuge - er hat eine vorgegebene Form, bei der man nicht pfuschen kann.“ So weit scheinen der Komponist und der Schriftsteller gar nicht voneinander entfernt zu sein, bloß dass der eine Melodien und der andere Handlungen komponiert.

Noch wichtiger als die Handlung seien jedoch die Figuren, denn eine glaubwürdige Handlung ließe sich nur durch die Menschen entwickeln, die aus ihrer Perspektive die Handlung kreieren, sagt Buslau. Der Schriftsteller ist Schöpfer von Geschöpfen, hat die Macht, Leben zu schaffen und zu gestalten. Manchmal berücksichtigt er dabei sogar Leserwünsche, denn so viel sei verraten: Der „Bergische Marlowe“, wie Remigius Rott in Anspielung auf die berühmte Figur von Raymond Chandler genannt wird, erhält im nächsten Roman eine Freundin.



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