Von Christina Michaelis, 01.09.10, 12:40h
Mehrsprachig
Farbintensive Poster dokumentieren in mehreren Sprachen Situationen, die Gefahren aufzeigen sollen. Und wachrütteln, weil die Betroffenen - es sind meistens Frauen - Signale oft herunterspielen oder die Schuld bei sich suchen. Wenn der Ehemann jede Bewegung kontrolliert, den Kontakt zu Freunden verbietet, rasend eifersüchtig ist oder auch „zu schnell zu viel will“ dann, so lautet es auf den Postern, bedeutet das Gefahr. Die eigene Wohnung bietet nicht länger Schutz, Sicherheit und Geborgenheit. Am Ende kann häusliche Gewalt zu schwerer Körperverletzung und sogar zum Tod führen. „Gewalt in der Partnerschaft entsteht nicht von heute auf morgen. Meist ist es ein schleichender Prozess, der fast unmerklich mit Kleinigkeiten beginnt“, erklärte Ruth Busch von der Frauenberatungsstelle bei der Ausstellungseröffnung. Betroffene müssten sich rechtzeitig helfen. „Sonst sind die Konsequenzen schwere körperliche Verletzungen. Auch an den psychischen Folgen der traumatischen Erlebnisse leiden die Betroffenen noch jahrelang.“ Auch das Umfeld sei betroffen, vor allem Kinder. Die Ausstellung soll Frauen mit Situationen konfrontieren, die sie vielleicht schon erlebt haben. Und sie will Opfer ermutigen, Hilfe bei einer Interventionsstelle zu suchen. „Wir beraten sie, begleiten sie zu Rechtsanwälten, zu Gericht und in schlimmen Fällen auch zu Ärzten.“ Die Ausstellung richte sich mit dem Appell „Hinsehen, Helfen, Hilfe holen!“ auch an Nachbarn, Verwandte und Freunde.
Unterstützung erhält die Frauenberatungsstelle in ihrer Präventivarbeit von der Kreissparkasse Köln, die anlässlich der Ausstellungseröffnung einen Scheck über 1000 Euro an Ruth Busch und Vorstandsmitglied Helga Liesendahl überreichte.
„Wir müssen das Thema ans Licht bringen“, erklärte auch Bürgermeister Stefan Caplan. Es sei wichtig, das entsprechende Bewusstsein zu wecken.
Ein Fall für die Polizei
„Wenn wir nur eine Frau erreichen, haben wir etwas geschafft“, ergänzte Susanne Heidel. Die Opferschutzbeauftragte der Kreispolizeibehörde beschäftigt sich seit vielen Jahren mit häuslicher Gewalt. „Es ist leider ein präsentes Thema“, so die Kriminaloberkommissarin.
Tendenziell komme es vor allem in Haushalten mit Migrationshintergrund vermehrt zu Bevormundung und Gewaltbereitschaft gegenüber Frauen. Seit 2002 erleichtert es das neue Gewaltschutzgesetz der Polizei zwar, durch einen Wohnungsverweis und eine Gefährdungsabschätzung erweiterte Schutzmaßnahmen einzuleiten. Besser sei es aber, solche Situationen zu vermeiden. Dafür müssten Frauen die Warnsignale aber erkennen und frühzeitig aktiv werden.
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