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Gericht

Tödliche Schüsse im „Le Journal“

Von Clemens Schminke, 31.08.10, 20:10h, aktualisiert 31.08.10, 21:28h

Mehr als 18 Jahre nach der Tat beginnt vor dem Kölner Landgericht ein Prozess gegen einen 53-jährigen Serben. Dragan J. soll damals in einer Bar auf den Ringen einen Mann erschossen haben. Danach sei er nach Belgrad geflüchtet.

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Mehr als 18 Jahre nach der Tat beginnt vor dem Kölner Landgericht der Totschlags-Prozess gegen einen 53-jährigen Serben. (Symbolbild: dpa)
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Mehr als 18 Jahre nach der Tat beginnt vor dem Kölner Landgericht der Totschlags-Prozess gegen einen 53-jährigen Serben. (Symbolbild: dpa)
Innenstadt - Heute scheint Dragan J. ein gemachter Mann zu sein. In Belgrad besitzt der 53-Jährige, der wieder mit seiner ersten Frau zusammen ist und drei Kinder hat, einen großen Disco-Club. Außerdem betreibt er einen Ausflugsdampfer, der am Wochenende auf der Donau verkehrt. Doch zurzeit kann er seinen Geschäften nicht nachgehen, denn seit sieben Monaten sitzt er in Köln in Untersuchungshaft. Am Dienstag begann vor der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts der Prozess gegen den Serben, dem Totschlag zur Last gelegt wird.

Die Tat liegt lange zurück. Am 9. Mai 1992 soll Dragan J. im Lokal „Le Journal“ am Hohenzollernring, das es nicht mehr gibt, bei einer Schießerei einen Mann getötet haben. Nach der Tat setzte er sich in die Niederlande ab und floh weiter nach Belgrad. Seitdem wurde er mit internationalem Haftbefehl gesucht. Im Mai 2009 wurde er an der bosnisch-serbischen Grenze gefasst.

Der Verhandlung in Köln ging ein Rechtsgespräch voraus, über dessen Ergebnis Kammervorsitzender Heinz Hemmers die Schöffen nach der Verlesung der Anklageschrift unterrichtete. Danach werde der Angeklagte bei einem Geständnis einen „Strafrabatt“ erhalten: acht bis neun Jahre Haft mit der Aussicht, vor Weihnachten 2011 abgeschoben zu werden. Ein Kompromiss, mit dem sich Verteidiger Benedikt Pauka sehr zufrieden zeigte. Er verlas für seinen Mandanten eine Erklärung, die zusammen mit dessen Einlassungen alles in allem ein Geständnis ergaben.

Dragan J. war 1987 nach Deutschland gekommen und bald eine neue Ehe eingegangen. Nahe der niederländischen Grenze betrieb er ein Steakhaus, später in Düsseldorf ein Jeansgeschäft. Er hatte Kontakte zur „Jugo-Szene“, wie sie Pauka nannte, und kam dadurch in Kontakt mit dem Rotlichtmilieu. „Aktiv war ich aber nicht dabei“, betonte er, und sein Anwalt verwahrte sich dagegen, den Angeklagten zu einer „Zuhältergröße zu stilisieren“.

Streit eskalierte im Nu

In einem Eroscenter lernte er Marija T. kennen, die vorher mit dem ungarischen Zuhälter Gyula G. (beide Namen geändert) liiert gewesen war, und lebte ein paar Monate mit ihr zusammen. Zwar kehrte sie zu ihrem früheren Freund zurück, doch längst waren Spannungen zwischen den Männern entstanden. Um den Konflikt zu bereinigen mit dem Ziel, „dass wir beide erhobenen Hauptes aus dem Geschehenen herauskommen konnten“, habe man mit Hilfe eines Vermittlers eine Aussprache unter vier Augen im „Le Journal“ vereinbart, sagte der Angeklagte.

Entgegen der Absprache habe Gyula G. die Freundin und einen Mann mitgebracht, der angeblich gefährlich und bewaffnet war. Das habe er, Dragan J., vorher erfahren und daher eine Pistole mitgenommen. Überdies habe er sich von einem Bekannten begleiten lassen. Im Bistro sei alles im Nu eskaliert. Im Zuge des Streits habe sein Begleiter plötzlich angefangen zu schießen. Er selber habe dann auch Schüsse abgegeben und Gyula G.s Bekannten mehrfach getroffen. Der Mann verblutete. Das Urteil soll am Freitag verkündet werden.



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