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Klangprobe

Bereit für den Sänger-Wettstreit

Von Heribert Rösgen, 01.09.10, 13:31h

„Bella, bella, bella Marie“: Die Mitglieder des Connection-Chors brauchen keine Notenblätter, um gut zu sein, dafür aber jede Menge Spaß. Der A-cappella-Chor singt auf privaten Feiern und Straßenfesten.

Connection-Chor
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In der Kneipe „Connection“ proben die Sänger einmal wöchentlich. (Bild: Rösgen)
Connection-Chor
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In der Kneipe „Connection“ proben die Sänger einmal wöchentlich. (Bild: Rösgen)
Ehrenfeld - Gelbe Wandfarbe und wild wucherndes Grün erwecken im Hinterhof der Kneipe „Connection“ einen vagen Anschein von mediterranem Flair. Bis hinein in die Marienstraße scheinen sich die sanften Wellen des Mittelmeers zu kräuseln, wenn der Connection-Chor bei passendem Wetter seine wöchentliche Probe am Sonntagabend unter freiem Himmel abhält, im Biergarten des „Connection“. „Bella, bella, bella Marie“, klingt es, als hätten die Caprifischer soeben die Anker gelichtet - intoniert von einem guten Dutzend Männern und Frauen, die zur großen Zeit Rudi Schurickes, Anfang der 50er Jahre, noch gar nicht geboren waren. Umso inbrünstiger erklingt die Sehnsucht nach der „roten Sonne“, die bei Capri im Meer versinkt, während die „bleiche Sichel des Mondes blinkt“.

Es ist ein Paradestück des A-cappella-Chors, der seinen Ursprung an der Theke in der verrauchten Kult-Kneipe hat. Das „Connection“ eröffnete in den 70er Jahren, als eines der ersten Szene-Lokale nach Südstadt-Vorbild in Ehrenfeld. „Theken-Fußballmannschaft kann doch jeder“, sagt Jörg Kurte, einer der Sänger der ersten Stunde, augenzwinkernd. Die vor drei Jahren geborene Idee vom gemeinschaftlichen Singen, die per Aushang und viel Mund-zu-Mund-Propaganda weitergetragen wurde, fand viel Resonanz.

Bis sich der Chor in seiner heutigen Stammbesetzung formierte, verging jedoch etwa ein Jahr mit viel Fluktuation. Vom ersten öffentlichen Auftritt, der vor zwei Jahren in der - natürlich - proppenvollen Kneipe in der Marienstraße stattfand, existieren ein paar wacklige Youtube-Filmchen. Sie vermitteln zumindest einen Eindruck von der Unbefangenheit, mit der die Chormitglieder ihr Liedgut „angehen“. Eine Mischung aus Barbershop-Gesang und Liedertafel-Gemeinschaft ist da entstanden.

Private Feiern, Straßenfeste oder auch das Bürgerzentrum Ehrenfeld bieten hin und wieder den Rahmen, die Sangeskunst zu zeigen. Ein Gastspiel führte den Chor bis nach Bremen. Spielort war eine Kneipe im Stadtteil Neustadt namens „Connection“, die noch dazu vom Ambiente her frappierende Ähnlichkeit mit dem Köln-Ehrenfelder Pendant aufweist. „Die Bremer planen jetzt, ebenfalls einen Chor aufzumachen“, berichtet Sänger Jörg Kurte erfreut. Die Qualität des Gesangs und die Breite des Repertoires der Sängerinnen und Sänger im Alter von Anfang 20 bis Mitte 50 kann sich inzwischen hören lassen. Geübt wird immer im „Connection“ oder eben im Biergarten, sonntags, bevor die Gäste kommen.

Außer Kirchenliedern wird praktisch alles angestimmt. Lieder aus der Zeit der Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts, Arbeiter- und Handwerkerlieder, alte Schlager und Popsongs sowie eigene Stücke haben die Chormitglieder in ihren Mappen. Sichtlichen Spaß haben die Sängerinnen und Sänger an Stücken wie „Saufen“ von Funny van Dannen oder auch an „Ring Of Fire“ von Johnny Cash. Und mit der lyrischen Liebeserklärung an „Ulrika Andersson“ kann der Chor aus Ehrenfeld sogar richtig punkten. Das Lied stammt von einem Teilnehmer einer Poetry-Veranstaltung im „Connection“. Mitglieder des Chores baten den Autor nach seinem Vortrag darum, Text und Melodie des Stücks, das von der verzweifelten Suche nach seiner Jugendliebe handelt, verwenden zu dürfen.

Notenblätter hat übrigens kaum jemand der Connection-Chorsänger in seiner Mappe. Der bloße Liedtext muss reichen. „Wir proben die Sachen ja gemeinsam, und dabei entwickelt sich eben der Chorsatz“, erklärt Sängerin Christine Schilha. Die klassische Aufteilung in Sopran-, Alt-, Tenor- und Bass-Stimmlagen sucht man ohnehin vergeblich im Connection-Chor. „Das läuft meistens eher so ab, dass unser Chorleiter Michael Bretzke sagt »Ihr seid die hohen und ihr seid die tiefen Stimmen«“, erklärt Schilha. Die Stimmlage wird bei Bedarf kurz mit einer Melodika angespielt. Bretzke ist ansonsten unter anderem Keyboarder der Ska-Band Banana Peel Slippers.

Der Spaß am Singen steht beim Connection-Chor im Vordergrund. „Wir würden nie zu jemandem sagen, dass er nicht gut genug sei und deshalb nicht mehr mitsingen kann“, sagt Christine Schilha.

Ambitioniert ist der Connection-Chor dennoch. Sein Können will er vom 3. bis 5. September beim Peter-Rohland-Singewettstreit auf der Burg Waldeck im Hunsrück unter Beweis stellen. „Wir werden das Ding gewinnen“, sagt Norbert Liedtke, der zu den Gründungsmitgliedern des Chors gehört. Die gestellte Aufgabe, ein selbst verfasstes politisches Lied vorzutragen, gehen die Männer und Frauen mit reichlich Spaß, aber auch mit viel Ehrgeiz an.

Der Refrain war schnell gefunden: „. . . und außerdem verurteilen wir den stinkenden faulenden Monopol-Kapitalismus“ dichtete jemand. Und rund um diese Botschaft entstanden - oft unter dem Eindruck von aktuellen politischen Entwicklungen - in den vergangenen Monaten die Strophen. Der Singewettstreit steht in der Tradition eines Festivals, das 1968 erstmals abgehalten wurde und Liedermachern wie Franz-Josef Degenhardt und Hannes Wader eine Plattform bot. „Da passen wir doch ganz wunderbar hin, oder?“, meint Jörg Kurte.



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