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Thomas Müller

„Bei den Bayern habe ich, was ich will“

Erstellt 03.09.10, 10:51h, aktualisiert 03.09.10, 12:12h

Er war der Shooting-Star der vergangenen Saison und Torjäger der Weltmeisterschaft: Der Youngster Thomas Müller sprach mit Jürgen Ahäuser und Jan Christian Müller über den FC Bayern, das DFB-Team und das Kapitänsamt.

Thomas Müller
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Thomas Müller fühlt sich beim FC Bayern München wohl. (Bild: GI)
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Thomas Müller fühlt sich beim FC Bayern München wohl. (Bild: GI)
Herr Müller, was hat sich für Sie verändert, seit Sie bei der WM weltweit berühmt geworden sind?

MÜLLER: Das Leben in der Öffentlichkeit ist schwieriger geworden. Ich werde fast von jedem erkannt. Die Leute sind meist sehr herzlich. Hinzu kommen eine ganze Menge Termine. Aber ich versuche, das alles locker zu nehmen. Es ist wichtig, Zeit zu finden für sich selbst.

Mussten Sie dabei auch mal lernen, „nein" zu sagen?

MÜLLER: Nur dann, wenn Leute die Privatsphäre nicht ganz so respektieren. Das sind glücklicherweise Ausnahmefälle. Ich versuche schon, den Fans ihre Wünsche zu erfüllen.

Neulich konnte man in der „Bild“-Zeitung lesen und auf einem Foto sehen, wie Sie von der Polizei über das Höchsttempo in einer Tempo-30-Zone unterrichtet werden. Ein so genannter Leser-Reporter hatte Sie ertappt.

MÜLLER: So was finde ich zum Beispiel schade. Ich weiß nicht, was derjenige davon hat. Vielleicht 50 Euro.

500 Euro. Und bei Promis wie Ihnen womöglich noch mehr.

MÜLLER: Okay, die Welt ist offenbar so. Ich kann da nur mit dem Kopf schütteln.

Gehen Sie jetzt etwas vorsichtiger durchs Leben?

MÜLLER: Ich mache mir nichts vor: Die Menschen interessieren sich für den Fußballer Thomas Müller. Mein Freundeskreis hat sich nicht verändert.

Wie schwierig war es, als Fußballer wieder umzuschalten?

MÜLLER: Überhaupt kein Problem. Ich habe in drei Wochen Urlaub keinen Ball berührt. Irgendwann willst du dich dann wieder bewegen und vermisst sogar den Alltag.

Sie sagten am Ende der WM, dass Sie vor allem mental regenerieren und viele Termine absagen müssten. Wie ist Ihnen das gelungen?

MÜLLER: Ich habe vieles gar nicht mitbekommen. Das hat mein Berater geregelt. Ich weiß gar nicht, wie viele Anfragen es tatsächlich gegeben hat. Wenn ich mich darum gekümmert hätte, hätte ich die drei Wochen durcharbeiten können. Das hätte aber keinen Sinn gemacht, denn hauptberuflich bin ich ja immer noch Fußballprofi.

Es hieß, Sie hätten ein Angebot ausgeschlagen, für Müllermilch Werbung zu machen?

MÜLLER: Wir haben bislang mit keinem Werbepartner irgendetwas fix gemacht.

Sie haben noch nicht einmal eine eigene Website!

MÜLLER: Da sehen Sie mal! (lacht) Das hat für mich keine Priorität. Wichtig ist, dass wir Freitag und Dienstag unsere Länderspiele gewinnen.

Sind Sie da optimistisch?

MÜLLER: Ich habe ein gutes Gefühl, dass wir spielerisch dort anknüpfen können, wo wir bei der WM aufgehört haben.

Ist es wichtig, wer Kapitän ist?

MÜLLER: Nein. Das war für mich persönlich noch nie wichtig.

Waren Sie schon mal Kapitän?

MÜLLER: Nur eine Saison lang. In der C-Jugend.

Was war ihre wichtigste Aufgabe?

MÜLLER: Ich musste einteilen, wer die Trikotkisten trägt. Da habe ich mir den Unmut der Mitspieler eingehandelt und war nicht unfroh, als ich die Binde nach einem Jahr wieder los war.

Sami Khedira und Mesut Özil sind zu Real Madrid gegangen. Sie haben bei den Bayern bis 2015 verlängert. Haben Sie nicht über einen Wechsel ins Ausland nachgedacht?

MÜLLER: Nein, da war keinerlei Gedanke. Aus sportlicher Sicht habe ich doch bei den Bayern alles, was ich will. Dort ist alles perfekt für mich. Ich wäre froh, wenn ich 2015 noch das Niveau habe, bei den Bayern mitzuhalten. Das ist gar nicht so einfach.

Könnte es für Sie auch ein Ziel sein, als Bayer für immer bei Bayern München zu spielen?

MÜLLER: Die Möglichkeit gibt es sicherlich. Bayern München gibt mir alle Voraussetzungen.

Ihr Trainer Louis van Gaal hat Sie am Wochenende ordentlich in den Senkel gestellt, weil Sie in Kaiserslautern bei einer Großchance nicht abgespielt haben.

MÜLLER: Nein, nein, das muss ich richtig stellen. Der Trainer hat zurecht gesagt, dass aus dieser Situation ein Tor hätte entstehen müssen. Aber er hat mich nicht in den Senkel gestellt.

Und doch: Wenn Thomas Müller 2010 so einen Ball vergibt, bekommt er das anders zu spüren als noch 2009? Ist es so?

MÜLLER: Ich habe es gelesen, gespürt habe ich es nicht.

Man sieht derzeit viele Kinder mit Thomas Müller-Schriftzug auf den Trikots. Die wollen so werden wie Sie. Können Sie da helfen?

MÜLLER: Man braucht einen starken Kopf. Ich habe viele Mitspieler gehabt, die aus meiner Sicht mehr Talent hatten, aber denen dann doch irgendwas gefehlt hat, die Durchsetzungskraft zumeist. Mein Rat: immer hundert Prozent geben, egal, ob im Endspiel oder im Freundschaftsspiel. Und dann brauchst du auch Glück, so wie Holger Badstuber und ich es mit Louis van Gaal hatten.

Ihr 18-jähriger Bruder Simon spielt in der A-Klasse.

MÜLLER: Ja, dabei war er auch mal von den Bayern zum Probetraining geladen. Die hätten ihn wohl auch genommen. Aber er hat sich damals gemeinsam mit unseren Eltern dafür entschieden, diese hohe Belastung nicht auf sich zu nehmen und stattdessen in seinem Heimatverein zu bleiben. Er ist ein guter Fußballer und spielt jetzt in seinem ersten Seniorenjahr in der A-Klasse.



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