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Kampagne für Gemüse

Coole Möhrchen mit Tarnkappe

Von Claudia Lehnen, 02.09.10, 20:47h

Eine Werbekampagne will Kinder in den USA zu Fans von gesunden Lebensmitteln machen: So werden etwa ganz normale Möhren in bunt designten Chipstüten verpackt. Das Gemüse verliert so ein wenig sein Image des „Gesunden, aber Langweiligen“.

Möhren-Kampagne in USA
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Die amerikanische Agentur Crispin Porter & Bogusky macht aus Karotten - jedenfalls optisch - Junkfood. (Bild: Crispin Porter)
Möhren-Kampagne in USA
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Die amerikanische Agentur Crispin Porter & Bogusky macht aus Karotten - jedenfalls optisch - Junkfood. (Bild: Crispin Porter)
KÖLN - „Mama, darf ich noch eine Tüte? Bitte!“ Das Kind hat Augen wie ein Hundewelpen, gleich wird es anfangen zu heulen. Es sei denn, die Mutter greift in den Kühlschrank und holt ein Tütchen hervor. Ein rotes Tier mit Riesenzähnen ist drauf, es erinnert entfernt an einen Hasen. Sobald die Tüte aufgerissen ist, wird losgeknabbert - bis die Tüte leer ist. So oder so ähnlich stellt sich die US-Lebensmittelindustrie die Wirkung ihrer neuen Werbe-Offensive vor. Es ist nicht irgendein Junk Food, das in den USA derzeit für Aufregung unter Kindern und Jugendlichen sorgen soll. Es ist ein ganz alter Hut, nichts als eine Hand voll Karotten in Tüten. Und doch ist die Rede von einem „extrem sexy Snack“. Die US-Möhrenindustrie sah das Image der Karotte ins Hintertreffen geraten und versucht nun mit einem Werbetrick das Wurzelgemüse zum Star auf den Schulhöfen zu machen. Die Verpackungen sind schrill. Sie sehen aus wie Kartoffelchips-Tüten und knistern auch so.

Die Karotte aber ist und bleibt eine Karotte. Sie bleibt sogar gesund. Wer sie isst, hat aber den Eindruck, zu sündigen. Und genau das macht die Sache unwiderstehlich, meint Thomas Ellrott, Leiter des Instituts für Ernährungspsychologie an der Uni Göttingen. „Lebensmittel mit einer hohen Energiedichte müssen wir mögen, weil sie uns Jahrtausende lang das Überleben in Hunger- und Dürrezeiten sicherten.“ Fett sei einfach ein Retter. Und deshalb attraktiv. Äpfel? Rosenkohl? Möhren? Haben uns in Zeiten der Not nicht weit gebracht. Weil diese Informationen so fest in uns verankert sind, ist die Verlockung eines Salatblattes begrenzt. Erst recht, wenn im Herd ein fetter Schweinebraten knusprig wird. Wenn sich das Salatblatt aber als fettige Wurst verkleiden würde, stiegen seine Chancen rapide. Dieses Prinzip nutzt in Deutschland zum Beispiel die Fast-Food-Kette Burger-King mit ihren „Apfel-Pommes“, die bei Kindern ungemein beliebt sind - obwohl sie nichts anderes sind als Obst.

Die Täuschung kann also funktionieren! Und Eltern sollten den Kindern übrigens den Spaß an der mühsam von Werbepsychologen gestrickten Tarnkappe nicht damit verderben, dass sie das Wort „gesund“ in Zusammenhang mit den coolen Möhrchen bringen. „Gesunde Produkte assoziieren die meisten Kinder mit Zwang, nicht mit leckerem Geschmack“, sagt so Ellrott. „Wer will, dass sein Kind Kohlrabi isst, sollte immer mit Genuss und Geschmack, niemals aber mit Gesundheit argumentieren.“ Verknappung mache übrigens auch attraktiv. Also liebe Kinder, Finger weg von den Möhrchen!



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