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Roma-Abschiebung

Charterflug ohne Rückkehr

Von Thorsten Moeck, 02.09.10, 18:44h, aktualisiert 03.09.10, 11:11h

Eine Roma-Familie mit sechs Kindern muss nach 13 Jahren in Köln das Land verlassen. Mit ihrer Abreise kamen sie der Abschiebung zuvor. Alle Kinder können Deutsch und sind hier geboren. Doch das Ausländeramt sah keine Alternative.

Roma-Abschiebung.
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Immer wieder demonstrieren Roma für ein dauerhaftes Bleiberecht in Deutschland, wie hier vor gut einem Jahr auf dem Roncalliplatz in Köln. Am Donnerstag wurden am Flughafen Düsseldorf wieder Roma aus ganz Nordrhein-Westfalen nach Serbien abgeschoben. (Bild: Worring)
Roma-Abschiebung.
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Immer wieder demonstrieren Roma für ein dauerhaftes Bleiberecht in Deutschland, wie hier vor gut einem Jahr auf dem Roncalliplatz in Köln. Am Donnerstag wurden am Flughafen Düsseldorf wieder Roma aus ganz Nordrhein-Westfalen nach Serbien abgeschoben. (Bild: Worring)
KÖLN/DÜSSELDORF - Die Flugtickets für Familie A. waren längst gebucht. Am Donnerstagmittag hätten die Eltern und ihre sechs Kinder deutschen Boden verlassen und in Belgrad landen sollen. Die Plätze in der Maschine hatte die Zentrale Ausländerbehörde reserviert - es hätte ein Flug ohne Rückkehr werden sollen. Denn die Familie war gemeinsam mit 85 weiteren Flüchtlingen aus Nordrhein-Westfalen für die Abschiebung vorgesehen.

Bereits am Dienstag hat sich Familie A entschlossen, den Freiflug nach Serbien auszuschlagen. Ihr jüngstes Kind ist zwei Jahre alt, das älteste ist gerade 13 geworden. Sie alle sind in Köln zur Welt gekommen, sie sprechen deutsch und Romani, aber kein serbisch. Nach 13 Jahren in Köln hat die Familie nun gezwungenermaßen ihren Kleinbus bis unter die Dachkante vollgepackt und das Land verlassen. „Die Kinder haben geweint. Sie mussten ihre Spielsachen und die Schulsachen zurücklassen“, sagt Emra (20), die Tante der sechs Kinder. Emra ist mit ihren Eltern in Köln geblieben, doch auch sie sind in Deutschland nur geduldet und bangen um ihren Aufenthalt.

Am Gate F des Düsseldorfer Flughafens werden normalerweise keine Passagiere abgefertigt. Das Nebengebäude ist vom Terminal aus nur schwer einsehbar. „Abschiebe-Gate“ nennt Iris Biesewinkel diesen Bereich des Flughafens. Die Sozialarbeiterin kümmert sich in der Kölner Beratungsstelle Rom e.V. seit Jahren um Roma-Familien, denen die Abschiebung droht. Von Düsseldorf aus werden alle paar Wochen Flüchtlinge ausgeflogen. Am Donnerstag sitzen 28 Serben an Bord der Chartermaschine nach Belgrad. Gebucht war ursprünglich für 93 Personen. Doch die meisten von ihnen haben Deutschland selbständig verlassen, so wie Familie A. aus Köln.

Während der Flieger in den Wolken verschwindet, machen etwa 100 Demonstranten mächtig Lärm am Flughafen. Eine Samba-Gruppe trommelt den Passagieren die Ohren voll, Aktivisten haben von einer Balustrade ein Transparent mit der Forderung „Stoppt Abschiebung“ herabgelassen. „Die ganze Gesetzgebung ist eine humanitäre Katastrophe. Vor allem das Kindeswohl wird in Deutschland immer sehr hoch gehängt, aber bei Flüchtlingen interessiert das keinen Menschen“, sagt Biesewinkel. Damit meint sie auch die vier Jungen und zwei Mädchen von Familie A. „Kölsche Kinder“ seien das, die nun aus ihrer Umgebung gerissen würden.

Ausländeramt verweist auf gesetzliche Vorgaben

Angeordnet wurde die Abschiebung von Familie A. im Kölner Ausländeramt. Rund 2.300 Flüchtlinge aus aller Welt werden derzeit in Köln geduldet. „Wir prüfen die Integrationsleistungen, dazu zählen die eigene Sicherung des Lebensunterhalts, Deutschkenntnisse und eine geringe Straffälligkeit“, erläutert Dagmar Dahmen, Leiterin des Ausländeramts. Bei Familie A. seien die Deutschkenntnisse der Eltern „rudimentär“, für ihren eigenen Lebensunterhalt könnten sie nicht sorgen, zudem sei der Vater wegen einer Straftat bereits zu einer Geldstrafe von mehr als 60 Tagessätzen verurteilt worden. Eine Alternative zur Abschiebung habe es nicht gegeben: „Natürlich schauen wir, ob es Spielräume gibt. Aber wir müssen die Gesetze einhalten, denn es sind schon Ermittlungsverfahren gegen Mitarbeiter des Amtes eingeleitet worden“, sagt Dahmen. Der Vorwurf: Beihilfe zum illegalen Aufenthalt.

Dennoch ist es nicht selten, dass Menschen nach jahrelanger Duldung ein Bleiberecht erhalten. Seit 2006 wurde es in Köln 1.400 Flüchtlingen gewährt. Dies ist eine Quote von 65 Prozent.



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