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Fernverkehr

Von Köln per Zug nach London

Von Peter Kirnich, 02.09.10, 20:23h

Doppeldecker, Tower und natürlich Big Ben - es gibt viele Gründe, sich London einmal etwas genauer anzusehen. Die Reise dorthin soll nun einfacher werden. Die Bahn plant eine ICE-Verbindung zwischen Köln und der englischen Hauptstadt.

London
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London ist ein Ziel für Touristen und Geschäftsreisende. Die britische Metropole soll aus dem Rheinland künftig schnell per Zug erreichbar sein. Unser Bild zeigt das Parlamentsgebäude. (Bild: dpa)
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London ist ein Ziel für Touristen und Geschäftsreisende. Die britische Metropole soll aus dem Rheinland künftig schnell per Zug erreichbar sein. Unser Bild zeigt das Parlamentsgebäude. (Bild: dpa)
BERLIN - Manchmal klemmt es noch zwischen München und Bologna. „Da passiert es schon mal, dass unsere Züge einfach 15 Minuten grundlos auf dem Brenner stehen müssen“, sagt Ingulf Leuschel. „Alles Schikane durch die italienische Staatsbahn“, erklärt der Konzernbeauftragte der Deutschen Bahn. Wettbewerber sind auf den monopolistisch geprägten Eisenbahnmarkt in Europa noch immer nicht gern gesehen. Ungeachtet dessen drängt es die Deutsche Bahn nach Europa.

Derzeit verbindet der ICE Deutschland mit sechs Nachbarländern: Österreich, Frankreich, Belgien, Dänemark, Schweiz und Niederlande und Italien. „Wir fahren heute mit unseren Zügen von Deutschland aus 80 europäische Städte direkt an“, berichtet ein Bahnsprecher. Nach langem Ringen ist für die Bahn nun auch der direkte Weg nach London frei: Am 19. Oktober soll erstmals ein ICE zu einer Testfahrt durch den Eurotunnel fahren, der Frankreich mit Großbritannien verbindet. Darauf haben sich Deutschland und Frankreich geeinigt.

Züge bisher zu kurz

Bahnchef Rüdiger Grube geht davon aus, dass die Bahn ab Ende 2013 eine regelmäßige Verbindung zwischen Frankfurt und London anbieten kann. Seit Jahren bemüht sich die Deutsche Bahn darum, mit ihren Zügen durch den 50 Kilometer langen Ärmelkanal-Tunnel fahren zu dürfen. Bislang scheiterte dies an den technischen Voraussetzungen und an der Blockadehaltung der Franzosen. Bisher hat der Eurostar, der gemeinsam von der französischen Staatsbahn SNCF sowie belgischen und britischen Partnern betrieben wird, ein Monopol auf der Tunnelstrecke zwischen Kontinentaleuropa und Großbritannien.

Das wird sich nun ändern. „Für uns wäre eine Verbindung zwischen dem Ballungsgebiet Rhein-Ruhr und London außerordentlich lukrativ“, sagt der Bahnsprecher. „Nach unseren Prognosen könnten wir im Jahr 1,1 Millionen Passagiere von Frankfurt oder Köln über Brüssel nach London transportieren.“ Derzeit beträgt die Fahrzeit von Frankfurt nach London gut sechseinhalb Stunden, weil die Kunden in den Eurostar umsteigen müssen. „Wir wollen die Reisezeit deutlich reduzieren.“

Doch bis dahin muss die Bahn noch zahlreiche Tests bestehen. Die auf die französischen Züge abgestellten Sicherheitsbestimmungen im Eurotunnel sehen vor, dass die Züge mindestens 400 Meter lang sind, um im Notfall eine Evakuierung zu erleichtern. Zudem müssen sie durchgehend begehbar sein, damit man durch den Zug zu den Notausgängen gelangen kann. Der von der Bahn für die Strecke geplante ICE-3-Nachfolger Velaro D ist nur 200 Meter lang. Die Vorschriften sollen nun so geändert werden, dass auch der Velaro die Zulassung bekommt, „ohne dass die Standards heruntergeschraubt werden“, betont der Bahnsprecher.

Nicht bis 2013 warten müssen Reisende, die mit dem ICE von Deutschland aus direkt an die französische Mittelmeerküste fahren möchten. „Ab Ende 2011 werden wir täglich von Frankfurt am Main nach Lyon und Marseille fahren“, kündigt der Bahnsprecher an. Die Fahrzeit werde sich deutlich verkürzen, weil die Züge nicht mehr über Paris fahren müssten. „Die Kunden wollen zunehmend europäische Städteverbindungen mit einem Ticket und ohne Umsteigen“, erklärt Bahnchef Grube. Zudem will die Bahn im Ausland zurückholen, was sie daheim an Marktanteilen verliert. Denn dort gewinnen durch die Regulierung der Netze Konkurrenten Marktanteile. Dennoch werde keine Auslands-Strecke bedient, die sich nicht rechne. Auch der heimische Markt solle darunter nicht leiden.



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