Von Christian Löer, 02.09.10, 20:25h
Sami Khedira wird die Abgeschiedenheit genießen. Der Mittelfeldspieler ist gleich nach der Weltmeisterschaft vom VfB Stuttgart zu Real Madrid gewechselt. Da kann er ein wenig Ruhe gut gebrauchen. „Die letzten Wochen und Monate waren sehr, sehr spannend“, sagt der Schwabe. Mittlerweile habe er sich zwar daran gewöhnt, Spieler des wohl berühmtesten Fußballklubs des Planeten zu sein. Doch leicht ist es nicht. José Mourinho, sein ebenfalls sehr berühmter Trainer, ist unlängst mit kritischen Worten über die sprachlichen Fertigkeiten seiner neuen Spieler aus Deutschland zitiert worden.
Sprachprobleme bei Real?
Khedira und ja auch Mesut Özil seien weit davon entfernt, sich anständig auf Spanisch unterhalten zu können. Doch von diesen Äußerungen weiß Khedira nichts. Der Trainer habe sich ihm gegenüber nicht geäußert. „Wenn es bei der Spielbesprechung in der Kabine dann mit schnellem Spanisch losgeht, habe ich noch Schwierigkeiten. Aber es wäre ja auch ein Wunder, wenn ich nach vier Wochen perfekt Spanisch könnte“, sagt der Deutsch-Tunesier. Außerdem werde er sich mit Hilfe eines Sprachlehrers daran begeben, die Sprachbarriere endgültig niederzureißen. Auch sportlich wird sich Khedira anstrengen müssen, um ein fester Bestandteil seines neuen Teams zu werden. In der Nationalelf hat er seinen Stammplatz dagegen zunächst sicher. Michael Ballack fehlt wegen Problemen mit der Form. Was folgt, wenn der Kapitän zurückkehrt, nennt Khedira „eine große Herausforderung: Sollte einer besser sein als ich, dann soll der auch spielen. Das gilt aber nicht nur für Michael Ballack.“
Philipp Lahm hat einen anderen Interessenkonflikt mit Ballack. Lahm war Kapitän der deutschen WM-Elf und wird das Amt auch am Freitag im Baudouin-Stadion ausüben, obwohl er es ja eigentlich am Mittwoch per Bekanntgabe des Bundestrainers an Ballack verloren hat. Lahm scheint mit der Neuigkeit gut umgehen zu können. „Man lernt im Fußball von klein auf, solche Entscheidungen zu akzeptieren“, sagt der Münchner. Er freue sich darauf, die Mannschaft in Brüssel auf das Spielfeld zu führen. „Nichts anderes habe ich ja auch damals bei der WM gesagt: Dass ich gern Kapitän bin und es auch gern geblieben wäre.“
Die Weltmeisterschaft hallt zwar noch ein wenig nach, und die deutsche Elf will selbstverständlich Stil und Formation mit in die neue Phase nehmen. Doch Hansi Flick stellt auch fest: „Von den Erfolgen bei der WM kann man sich jetzt nicht mehr groß was kaufen. Wir haben hier eine Situation wie zu Beginn der WM-Qualifikation in Finnland“, sagt Löws Assistent. Damals gerieten die Deutschen gleich dreimal in Rückstand, retteten nur mit großer Not ein 3:3 und mussten fortan um die Qualifikation zittern, weil die Russen nicht bereit waren, Spiele zu verlieren. Außer eben gegen Deutschland.
Wer in EM-Qualifikationsgruppe A den Russen geben wird, ist offen. Die Türkei gilt als größter Konkurrent der deutschen Elf. Doch auch die Belgier werden versuchen, sich in Position zu bringen. Gegen Deutschland dürfen sie dabei auf den Vorteil hoffen, dass sie bereits im Wettkampfrhythmus sind. Weil die Belgier nicht in Südafrika vertreten waren, hatten sie mehr Urlaub. Und in ihrer Liga sind bereits vier Spieltage absolviert. „Es ist klar, dass unsere Spieler jetzt noch nicht den Rhythmus haben wie die Belgier. Aber wir erwarten, dass sie sich in dieses Spiel hineinquälen“, sagt Flick. Philipp Lahm mahnt zur Geduld. „Man gewinnt Spiele nicht immer in der ersten Halbzeit. Es ist immer öfter so, dass man den Gegner 70 Minuten lang bearbeiten muss. Das wird nicht leicht. Aber als deutsche Mannschaft ist man immer Top-Favorit.“
Nationalelf: Ballack bleibt der „Capitano“
Löws Entscheidung: Kein Sieg für Michael Ballack
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