Von Susanne Rohlfing, 02.09.10, 19:28h, aktualisiert 02.09.10, 20:32h
Damit der Herausforderer auch ja mitbekommt, dass Sturm ihn nicht fürchtet, bastelten der Weltmeister und sein Team eine wunderbare Szene in ihr Drehbuch für das öffentliche Training. In einem Kölner Einkaufszentrum hatte man am Mittwoch im Untergeschoss einen Ring aufgebaut, in dem erst Lorenzo (sehr lahm) und später Sturm (energiegeladen) etwas von ihrem Können aufblitzen ließen. Der Übergang, als Lorenzo den Ort des Geschehens verließ, um Platz zu machen für Sturm, war zeitlich perfekt abgestimmt. Die Kontrahenten begegneten sich auf zwei direkt nebeneinander liegenden Rolltreppen. Der eine fuhr hinauf, der andere hinab. Lorenzo schaute grimmig drein, Sturms Blick wirkte eher amüsiert.
„Felix ist gut drauf“, sagt sein Trainer Fritz Sdunek, „das macht ihn locker und selbstbewusst“. Hinzu kommt: Nach der Trennung von seinem langjährigen Promoter Klaus-Peter Kohl ist Sturm endlich sein eigener Herr. Er boxt allein für sich. Und er hat keine Angst vor großen Träumen. Er will sich erfolgreich selbst vermarkten, so wie die Klitschkos. Deshalb hat er auch gleich mal die Lanxess-Arena als ersten Veranstaltungsort gewählt. Diese fasst immerhin 16 000 Zuschauer - und selbst Wladimir Klitschko bekam sie bei seinem letzten Kampf in Köln nicht voll. Sturm hat bislang gut 10 000 Karten verkauft.
Dabei hat er sich verändert. Felix Sturm, der öffentliche Auftritte immer mit verkniffenem Gesichtsausdruck hinter sich brachte, strahlt plötzlich eine ganz neue Gelassenheit aus. Er lächelt und spricht, er schreibt Autogramme und lässt sich mit Fans fotografieren. Der Unnahbare hat sich zum Unterhalter gemausert.
Vielleicht haben Sturms Blicke gewirkt. Vielleicht ist dem Team von Giovanni Lorenzo auch klar geworden, wie wichtig ein Sieg für Sturm und seine Pläne ist. Sie scheinen beeindruckt. Rafael Farrait, der Trainer des 29-jährigen Lorenzo, sagt: „Felix ist ein guter Champion.“ Und das nicht nur wegen seiner ausgezeichneten Technik. „Er ist schnell, er hat Kraft, und er ist ein sehr aktiver Kämpfer“, so Farrait. „Und er hat mit Fritz Sdunek jetzt einen legendären Trainer an seiner Seite, ich bin mir sicher, dass Sturm wirklich bereit ist für diesen Kampf.“
Lorenzo selbst äußerte sich schon weniger diplomatisch: „Ich knocke Sturm aus - und das innerhalb der ersten sechs Runden.“ Tatsächlich ist das wohl Lorenzos einzige Chance, denn seine große Stärke ist seine Schlagkraft. 21 seine 29 Siege feierte Lorenzo vorzeitig, das entspricht einer K.-o.-Quote von 67 Prozent. Der Wert für Sturm: 39 Prozent. Der Weltmeister hat 33 Kämpfe gewonnen, zwei verloren und einmal unentschieden geboxt. Zu Lorenzos 29 Siegen kommen zwei Niederlagen.
Eine davon kassierte er im Kampf um die vakante IBF-WM gegen den Greifswalder Sebastian Sylvester, der wiederum im November 2008 klar gegen Sturm verloren hatte. Lorenzos knappe Punkt-Niederlage will Rafael Farrait aber nicht als Rückschritt ansehen. Warum nicht? „Wir sind wieder hier“, sagt der Box-Trainer, der auch Pastor ist und mit seiner Frau Christy die Cornerstone Assembly Church in New York führt.
„Giovanni hat eine starke Rechte“, sagt Sturms Trainer Fritz Sdunek, „aber er braucht im Kampf auch seine Pausen, die müssen wir nutzen.“ Für den Sieg. Und für die Verwirklichung all der großen Träume.
Bin gespannt.
02.09.2010 | 22.23 Uhr | Vorwahl0221
Zu seiner Selbstvermarktung kann ich Sturm nur gratulieren, daß Beste was man im Profiboxen tun kann. Auch sein Gegner ist gut gewählt, nicht…
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