Von Christina Horsten, 04.09.10, 08:27h
Kohlenmonoxid sei ein unverzichtbarer Rohstoff für die Produktion von Kunststoff, begründet Bayer das Vorhaben. Weil am Standort in Uerdingen nicht genug Kohlenmonoxid produziert werden könne, müsse das farb- und geruchlose Gas durch die rund 67 Kilometer lange Pipeline von Dormagen nach Uerdingen geleitet werden. „Wir wollen dieses wichtige Infrastruktur-Projekt zum Erfolg führen, damit unsere Standorte international wettbewerbsfähig bleiben“, argumentiert der Vorstandsvorsitzende von Bayer, Werner Wenning. Er selbst hätte keine Probleme damit, wenn die Pipeline durch seinen Garten gelegt werden würde, sagt Wenning.
Heinz-Josef Muhr hat ein Problem damit. Doch ein Enteignungsgesetz, das der Landtag 2006 beschloss, ließ Muhr keine Wahl. 3000 Euro bot Bayer ihm und einem Nachbarn zusammen als Entschädigung an. Muhr lehnte ab und klagte. „Es war mir von vorneherein klar, das wird ein Kampf David gegen Goliath“, sagt der 76-Jährige.
Entscheidend sei die Gefahr, die vom Kohlenmonoxid ausgehe. „Wenn die Leitung einen Bruch hätte - zum Beispiel wegen eines Erdbebens, eines Terroranschlags oder eines Baggers, der aus Versehen darauf stößt - gäbe es je nach Wind auf den nächsten 1,9 Kilometern kein Leben mehr. Drei Atemzüge, dann ist man tot.“ Rasch fand Muhr Unterstützung. Rund 110 000 Unterschriften gegen die Rohrleitung hat ein Zusammenschluss mehrerer Bürgerinitiativen bislang gesammelt. „In jeder Stadt und jedem Dorf entlang der Pipeline gibt es eine Initiative, jeweils mit zwischen einem und 50 Leuten“, sagt Dieter Donner, Sprecher des Zusammenschlusses „Stopp CO-Pipeline“. Bayer betont: Die Pipeline sei sicher.
Sie hat inzwischen mehrere Gerichte beschäftigt. Zur Zeit liegt das Verfahren auf Eis - ein nächster Termin nicht absehbar, heißt es am Düsseldorfer Verwaltungsgericht. Die Pipeline ist inzwischen fast fertiggestellt. Derzeit ruhen die Bauarbeiten zwischen Monheim und Hilden. Die Bezirksregierung Düsseldorf hatte das verfügt, weil bei Prüfungen an mehrere Stellen Schäden an der Isolation der Leitung festgestellt worden waren.
Dass er ein endgültiges Urteil noch erleben wird, daran glaubt der schwer herzkranke Muhr nicht. „Aber ich will mir nie den Vorwurf machen müssen, dass ich es nicht versucht hätte.“ (dpa)
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