Von Doris Richter, 03.09.10, 18:35h
Aufgeregt ist sie an ihrem ersten Tag als Lehrling trotzdem. Geschickt und schnell packt, räumt und ordnet die neue Auszubildende Pinsel, Papier und Farben in die Regale, und berät zwischendurch Kunden beim Einkauf im Bastelladen. Mit Freude überreicht der Chef ihr dann einen eigenen Schlüssel für das Geschäftslokal. „Wir freuen uns für Frau Panschenko“, sagt Jochen Trippelsdorf. „Nachdem sie schon so lange für uns zuverlässig gearbeitet hat, wollten wir ihr mit dem Ausbildungsvertrag auch mal etwas zurückgeben.“
Da die Hürtherin ihre beiden Söhne, 19 und zwölf Jahre alt, allein erzieht, macht Sandra Panschenko ihre Lehre in Teilzeit. Das heißt, sie arbeitet 30 Stunden in der Woche. Bis vor kurzem wohnte auch noch ihre zehnjährige Tochter bei ihr. Die lebt jetzt beim Vater. Dass der 37-Jährigen eine solche Teilzeitausbildung bewilligt wurde, war großes Glück. „Eigentlich bin ich schon zu alt“, sagt sie. Doch die Arge Rhein-Erft und ihr Arbeitgeber haben sich gemeinsam dafür stark gemacht, der Hürtherin die Chance auf eine Ausbildung zu ermöglichen. Auch die IHK Köln stimmte zu. Drei Jahre dauert die Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau.
Ehrgeiz für gute Noten
Doch Panschenko möchte die Zeit, wenn möglich, auf zwei bis zweieinhalb Jahre verkürzen. „Dafür brauche ich einen super guten Notenschnitt. Das möchte ich schaffen.“ Das Fehlen einer Ausbildung hat ihr das berufliche Weiterkommen ihr Leben lang unmöglich gemacht, erzählt Sandra Panschenko. „Ohne eine feste Arbeitsstelle kam ich mir wertlos vor. Man steht dann neben der Gesellschaft.“ Dass sie nicht früher eine Lehre abgeschlossen habe, sei dumm gewesen, weiß sie heute. Doch ein mittelmäßiger Schulabschluss, die frühe Schwangerschaft und mangelhafte Möglichkeiten einer gesicherten Kinderbetreuung gaben der Hürtherin einen Weg vor. In ihrer Ehe hatte sie später gemeinsam mit ihrem Mann ein gutes Einkommen - wenn auch nur als ungelernte Kraft.
„Mir war viele Jahre gar nicht bewusst, wie wichtig eine abgeschlossene Berufsausbildung ist. Ich kann junge Mütter nur davor warnen, ihre Ausbildung hintenanzustellen“, weiß Sandra Panschenko heute aus eigener Erfahrung. „Frauen müssen auch innerhalb einer Familie weiter nach vorn gucken. Es kann immer etwas passieren, was das Leben plötzlich verändert.“
Gespannt ist die Hürtherin auf die kommenden Veränderungen in ihrem Leben. Zweimal in der Woche besucht sie die Berufsschule im Nell-Breuning-Berufskolleg in Frechen-Habbelrath. „Ein bisschen Bammel habe ich schon. Aber ich ziehe das durch, egal was kommt“, sagt Sandra Panschenko entschlossen.
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