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Jagd auf angebliche Tierquäler

Von Angela Sommersberg, 03.09.10, 23:53h, aktualisiert 04.09.10, 18:01h

Ein Youtube-Film zeigt eine Frau, die Welpen ertränkt. Seitdem häufen sich Morddrohungen gegen eine Bayerin, die für die Täterin gehalten wird. Die Hexenjagd geht weiter. Im Internet wurde die nächste potentielle Urheberin ausfindig gemacht.

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Hexenjagd wegen eiens Youtube-Videos (Bild: dpa)
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Hexenjagd wegen eiens Youtube-Videos (Bild: dpa)
KÖLN - Ein kleines Kätzchen, das am Bauch gekitzelt wird und danach alle Viere von sich streckt. Hundewelpen, die mit ihren viel zu großen Pfoten durch die Wohnung tapsen. Süße Tierkinder-Videos gibt es im Internet en masse. Doch dann ist dieses dazwischen: Ein Mädchen, blonde Haare, roter Kapuzenpulli, greift in einen Eimer, nimmt ein schwarzes Hundebaby in die Hand und wirft es in den reißenden Fluss. Mit einem Lächeln im Gesicht. Das Video ist auf der Internet-Plattform Youtube erschienen. Es schockt Tierfreunde. Erst kürzlich hatte der Film einer Londonerin für Furore gesorgt. Die Bankangestellte Mary B. hatte die Katze ihrer Nachbarn in eine Mülltonne gestopft - und war dabei von der Überwachungskamera eines Ehepaares gefilmt worden. Das Ehepaar stellte das Video ins Netz ein. Mary B. bekam daraufhin Morddrohungen.

Im Internet überschlagen sich jetzt auch die Drohungen gegen die Welpen-Tierquälerin. „Ich würde dich umbringen du dreckige Schlampe“ schreibt einer. Und der nächste postet: „Diese Frau müsste ertränkt werden.“ Die Tierschutzorganisation Peta heizt den Hype noch weiter an und hat sogar eine Belohnung in Höhe von 2000 Euro zur Identifizierung des Mädchens ausgesetzt. Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten. Ein Nutzer veröffentlichte in einem Forum Name und Foto eines Mädchens aus Bayern - und alle stürzten sich darauf. Die Jugendliche erhält nun verbale Drohungen per Telefon. „Wir haben bereits Schutzmaßnahmen ergriffen und dem Mädchen Verhaltenstipps gegeben“, sagt Markus Dengler, Sprecher des Polizeipräsidiums München.

Dabei ist die Bayerin gar nicht die vermeintliche Tierquälerin. Die Polizei hat das Mädchen aus dem Video mit dem auf dem Foto verglichen - und optische Unterschiede festgestellt, sagt Dengler. Außerdem spreche die Jugendliche im Film Bosnisch, eine Sprache, die das Mädchen aus Bayern überhaupt nicht beherrscht. „Wahrscheinlich wollte da jemand aus dem Bekanntenkreis dem Mädchen nur eins auswischen“, vermutet Internetexperte Axel Kossel vom c't-Magazin. Viele unterschätzten die Macht des Internets. Ist ein Name einmal online im Umlauf, lässt sich die Lawine kaum noch stoppen. Modernes Mobbing.

Und die Hexenjagd geht weiter, denn die Internetgemeinde hat über die perfekt organisierte Internet-Plattform 4chan eine Frau ausfindig gemacht, die nun für die reale Tierquälerin gehalten wird. Es sei bereits Anzeige erstattet worden, lässt Peta auf seiner Homepage verlauten.

Dabei ist nicht einmal sicher, ob das Video überhaupt echt ist. Das prüft die Polizei München zurzeit. Axel Kossel erkennt auf den ersten Blick, dass das Video geschnitten ist. „Es könnte also auch sein, dass das Mädchen nicht die lebendigen Welpen, sondern irgendwelche schwarzen Stoffsäckchen ins Wasser wirft“, sagt der Experte. Für den Macher des Videos sei dies aber egal. Denn sein Ziel habe er mit dem provokativen Film bereits erreicht: Uneingeschränkte Aufmerksamkeit durch die Internetgemeinde.



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