Von Helmut Frangenberg, 06.09.10, 17:37h
Die Wiederentdeckung des Rheintals: Haben zunächst die Wanderer auf dem fantastischen Rheinsteig und anderen anspruchsvollen Wegen entlang des Flusses die viel bedichtete Rheinromantik wieder entdeckt, scheint nun das Geschäft der Flusskreuzfahrten anzuziehen. Es herrscht reger Reiseverkehr auf dem Wasser. Die TC Sonata ist das dritte Schiff, das TUI auf Flussreisen schickt, und dabei den Spagat versucht, neben älteren Semestern auch ein jüngeres Publikum an Bord zu locken. Der Welterbetitel hat dem Mittelrheintal neue Touristen beschert. Mancher Hotelbesitzer, Wirt oder Bürgermeister hat damit begonnen, sich aufs neue Publikum einzustellen. Noch hat nicht jeder die Notwendigkeit verstanden, bei aller Schönheit des Alten Neues wagen zu müssen. Aber so langsam kommt immer mehr frischer Wind ins herrliche Freilichtmuseum.
Lore hat alle abgelenkt
Eine Rheinfahrt von Köln nach Mainz bleibt eine spektakuläre Tour durch die Geschichte. Die Sagen und Legenden, die sich um die Burgen ranken, bleiben genauso faszinierend wie die Geschichten um jene Lore, die die Rheinschiffer zwischen St. Goarshausen und Kaub in Verzweiflung und Unglück stürzte. Als das 134 Meter lange Schiff um die Loreley fährt, braucht man nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie hier an der engsten Stelle des Rheins die Boote schmachtender und vom Gesang abgelenkter Männer am Fels zerschellten.
„Als Kölner hat man eine ganz besondere Beziehung zum Rhein“, sagt Leserin Bärbel Hirt, die in Köln-Poll selbst direkt am Fluss lebt. Sie liebe das Wasser. Das Mittelrheintal auf diese Weise zu erleben, sei da ein ganz besonderes Erlebnis. „Man lernt den Rhein noch mal anders kennen“, sagt Yvonne Müller. Die 38-Jährige ist die Tochter einer Binnenschifferin. Da weiß man, wovon man spricht. Frank Nagel kennt das Rheintal vom Wandern und Fahrradfahren. Auch er genießt den Luxus eines für ihn bislang ungewohnten Fortbewegungsmittels. An das viele Essen habe man sich ein wenig gewöhnen müssen, meint er. „Es hat an nichts gefehlt“, sagen Müller und Nagel. „Eine topkompetente Crew mit einem Super-Service“ hätten für eine unvergessliche Leserreise gesorgt. Unter den Premierengästen befinden sich auch zahlreiche Kreuzfahrt-Profis, die schon in allen möglichen Winkeln der Welt mit Ozeanriesen angelegt haben. Sie genießen hier ein Schiff, das klein und überschaubar völlige Stressfreiheit garantiert. „So eine Flusskreuzfahrt ist viel beschaulicher und ruhiger als eine Reise mit einem großen Kreuzfahrtschiff“, sagt Elke Mellen aus Sülz. Ein paar Stopps mehr hätte sie sich gewünscht. Ansonsten sei es „fantastisch“ gewesen.
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