Von Marianne Quoirin, 06.09.10, 00:30h, aktualisiert 07.09.10, 11:23h
Psychologische Wirkung der Vorberichterstattung
Über Kachelmanns Schicksal entscheiden drei Berufsrichter und zwei Schöffen in dem Mannheimer Prozess, den manche schon in fataler Fehleinschätzung als „Prozess des Jahrzehnts“ charakterisieren. Kann das noch ein ordentliches Strafverfahren sein oder nicht eher eine Art Justiz-Event oder Seifenoper, in der ein Prominenter am Pranger steht? Die psychologische Wirkung der Vorberichterstattung in den Medien auf den richterlichen Entscheidungsprozess war zwar noch nicht Gegenstand empirischer Untersuchungen, aber auch Berufsrichter (und nicht nur Schöffen) sind keineswegs immun gegen die veröffentlichte Meinung. Denn auch sie sind Bestandteil des Interaktionsprozesses, in dem sich öffentliche Kommunikation vollzieht.
Das risikoreiche Zusammenspiel hinter den Kulissen von Ermittlungs- und Hauptverfahren ist denn auch von Juristen seit 30 Jahren beklagt worden, seit Marianne Bachmeier 1980 den Mörder ihrer Tochter im Gerichtssaal erschossen hatte. Aus „Annas Mutter“ wurde „Hure Marianne“, aus einer Verzweiflungstat noch vor Prozessbeginn eine PR-Show. Konsequenzen? Keine. Das belegen Dutzende so genannter spektakulärer Fälle.
Die Möglichkeit prominenter Beschuldigter, sich einen Medienanwalt zu leisten, ändert daran wenig. Denn erst nachdem berichtet und enthüllt wurde, kann gerichtlich eine Weiterverbreitung untersagt werden. Der Schaden ist dann aber kaum noch gutzumachen. Selbst ein glatter Freispruch wie für den TV-Moderators Türck kann das Ansehen nicht mehr retten.
Die Inszenierungen außerhalb der Gerichtssäle sind seit Bachmeier verwirrender, die Komplotte schwerer zu durchschauen. Spekulationen, Gerüchte und der scheckbuchbeflügelte Bekenntnisdrang von Zeugen - alles, wirklich alles, was die Wahrheitsfindung behindern kann, wird ungeniert genutzt. Mal zulasten der Opfer, mal zulasten von Angeklagten, aber immer zulasten der Justiz. Gerade Verfahren wie der heute in Mannheim beginnende Prozess gegen Jörg Kachelmann werden zum Prüfstein für das Vertrauen in die Rechtsprechung, die Reputation der Polizei und der Justiz.
Kachelmann
06.09.2010 | 23.50 Uhr | blanchette
Da ich kein "Rechtsverdreher" bin, kann ich auch zum jetzigen Zeit-
punkt natürlich nicht beurteilen, wie die "Chancenlage" von K.
derzeit ist aber…
Nur eine billige Seifenoper
06.09.2010 | 23.34 Uhr | ruessmann
Was wirklich geschehen ist wissen nur das "Opfer" und der "Täter".
Die Presse (vornehmlich die Boulevar-Presse)genießt es in solchen Fällen die…
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