Von Eva Roth, 06.09.10, 00:36h
Krisenargument zieht nicht mehr
In der Stahl-Tarifrunde würden „Pflöcke eingeschlagen“ für die künftige Lohnentwicklung, meint der Direktor des gewerkschaftsnahen Forschungsinstituts IMK, Gustav Horn. „Hier wird sich zeigen, ob wir auf den Pfad einer produktivitätsorientierten Lohnpolitik zurückkehren.“ Das bedeute deutlich höhere Zuschläge. Die Chancen dafür hätten sich verbessert: „Das Argument, wir sind in der Krise, zieht nicht mehr.“ Und die Verhandlungsposition der Gewerkschaften sei gestärkt, weil sich die Jobkrise entschärft habe: Vor fünf Jahren gab es zu Beginn des Aufschwungs fünf Millionen Arbeitslose, heute sind es 3,2 Millionen. Die „Politik der permanenten Lohnzurückhaltung“ vor der Krise sei nicht besonders erfolgreich gewesen, betont Horn. So sei die deutsche Wirtschaft seit der Euroeinführung 1999 schwächer gewachsen als der Euroraum insgesamt. Der Volkswirt hält für Deutschland Lohnzuwächse von drei bis 3,5 Prozent für angemessen, in der Stahlindustrie könne der Abschluss etwas darüber liegen.
Die IG Metall fordert für die 85.000 Stahlarbeiter sechs Prozent mehr Geld. Heute ist in Gelsenkirchen das erste Treffen mit den Arbeitgebern. Das Novum: Die Gewerkschaft will nicht nur fürs Stammpersonal, sondern auch für Leiharbeiter ein Plus durchsetzen. Sie strebt eine Tarifregelung an, nach der Zeitarbeiter wie Festangestellte bezahlt werden müssen. „Wir treten mit einer unserer besten Mannschaft an, um eine solche Regelung durchzusetzen“, sagt Oliver Burkhard, IG-Metall-Chef in NRW. Er spielt damit auf den hohen Organisationsgrad an: 90 Prozent der Stahlarbeiter sind ihm zufolge IG-Metall-Mitglieder. Ein Erfolg in der Stahlbranche könnte der Gewerkschaft helfen, anderswo ähnliche Regelungen durchzusetzen. Burkhard spricht von einem „Signal in die Metallbranche“.
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