Von Ralph Schulze, 05.09.10, 19:00h
Der Kampf in der Fabrikantenfamilie Gullon, die am Ortsrand von Aguilar de Campoo einen der größten Keksbacköfen Europas unterhält, ist ein Kampf der Geschlechter: Frauen gegen Männer, Mutter gegen Söhne, Schwestern gegen Brüder. Ein gnadenloser Krieg um Erbe und Macht in Spaniens wohl berühmtester Industriebackstube.
Ein Haus mit mehr als 100-jähriger Tradition, in dem die 68-jährige Maria Teresa Rodriguez nach dem Unfalltod ihres Mannes Jose Manuel Gullon 1983 über Nacht zur Mehrheitsaktionärin und Matriarchin aufstieg. Die Geschäfte der Kekskönigin liefen gut - bis ihre beiden Brüder und ihre drei Söhne rebellierten und die Firmenchefin vor einem Jahr absägten. Angeblich, weil das Firmenwohl bedroht war.
Der Gegenangriff ließ nicht lange auf sich wartenDie Kekserbin zog vor Gericht. Das wollte, dass die Anteilseigner ihre Probleme nun in einer „Außerordentlichen Hauptversammlung“ regeln. Doch nachdem ein Wachmann des Konzerns der Keksfabrikantin den Zutritt zur Zentrale verwehrte, zelebrierte die Unternehmerin das Treffen demonstrativ vor der Tür. Und zwar auf dem Rücksitz einer schwarzen Limousine an dessen Frontscheibe das weiße Schild „Hauptversammlung Gullon“ prangte.
Im Wagen saßen Maria Teresa Rodriguez und ihre Tochter Lourdes Gullon, assistiert von Rodriguez' Vertrautem und Ex-Generaldirektor Juan Miguel Martinez. Die drei besitzen, nach ihrer Sichtweise, 80 Prozent der Stimmrechte. Und sie ließen gleich Köpfe rollen: Die im Mercedes hockenden Aktionäre entließen den gesamten Gullon-Vorstand des feindlichen Familienlagers, setzen Matriarchin Rodriguez als „alleinige Verwalterin“ des Konzerns ein. Das Unternehmen „ist mein Leben“, sagt Maria Teresa Rodriguez. „Ich lasse mich nicht von meinen Söhnen und Brüdern vertreiben.“
Der Gegenangriff ließ nicht auf sich warten: Die Aktionärsversammlung sei eine „Zirkusveranstaltung“, teilte ein Gullon-Sprecher mit. Die Entscheidungen werde man nicht anerkennen. Auch sei Kekserbin Rodriguez nicht mehr Mehrheitsaktionärin, sie habe den erwachsenen Kindern zustehende Anteile an sich gerissen. Auf die Firmenbilanz scheint die Familienschlacht derweil wenig Einfluss zu haben: Der Konzern Gullon steigerte 2009 seinen Umsatz um 13 Prozent, auch in 2010 legt das Geschäft mit dem Gebäck weiter zu.
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