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Miroslav Klose

Ein Held ohne Heldenstatus

Von Christian Löer, 05.09.10, 21:58h, aktualisiert 06.09.10, 09:14h

102 Spiele, 53 Tore: Miroslav Klose ist der erfolgreichste DFB-Stürmer der Gegenwart. Hält er seine Trefferquote, wird er 2014 Deutschlands Rekordtorschütze sein. Eine deutsche Ikone wird er trotzdem nie werden.

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Miroslav Klose nach seinem Führungstreffer im EM-Qualifikationsspiel gegen Belgien. (Bild: dpa)
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Miroslav Klose nach seinem Führungstreffer im EM-Qualifikationsspiel gegen Belgien. (Bild: dpa)
KÖLN - Etwas mehr als zwei Monate hat Miroslav Klose warten müssen, doch am Dienstag in Köln wird ihm die längst fällige Würdigung erwiesen. Am 3. Juli absolvierte der Nationalstürmer beim deutschen Viertelfinal-Triumph in Kapstadt über Argentinien (4:0) sein 100. Länderspiel und erzielte gleichzeitig seine Treffer 51 und 52 für die DFB-Auswahl. Zwei weitere Länderspiele und ein Tor am vergangenen Freitag zum 1:0-Sieg über Belgien sind seitdem dazu gekommen. Mit 102 Partien belegt Klose in der ewigen DFB-Rangliste nun den geteilten fünften Rang. Am Dienstag in Köln gegen Aserbaidschan (20.45 Uhr, live in der ARD) wird er mit Franz Beckenbauer auf Rang vier gleichziehen. Mit seinen 53 Länderspieltreffern liegt Klose außerdem 15 Tore hinter Gerd Müller, der deutschen Stürmerlegende. Klose ist nun 32 Jahre alt. Sollte er seine Karriere-Trefferquote halten können, wird er nach der WM in Brasilien im Jahr 2014 Gerd Müller überholt haben und Deutschlands Rekordtorschütze geworden sein. Ob Miroslav Klose es bis dahin auch auf Müllers Legendensockel geschafft hat, bleibt dagegen offen.

Es gibt dieses Internetvideo, in dem ein Fernsehteam Passanten in einer Fußgängerzone belästigt, indem es ihnen Bilder deutscher Prominenter zur Identifikation unter die Nase hält. Als Kloses Porträt an der Reihe ist, deutet einer sehr wissend mit dem Zeigefinger darauf und sagt triumphierend: „Sachsen Paule!“ Sachsen Paule war ein Dialekt sprechender Instandhaltungsmechaniker, der Anfang des Jahrtausends als Pornodarsteller Karriere machen wollte. Ob die Szene echt ist oder nur gestellt, ist nur schwierig zu klären. Aber sie illustriert recht hübsch, wie es um den Heldenstatus des erfolgreichsten deutschen Torjägers der Gegenwart bestellt ist.

Miroslav Klose ist sich seiner Qualitäten durchaus bewusst. Er spielt beim FC Bayern München, ist reich und gewiss auch ausreichend berühmt. Aber eine Ikone ist er nicht. Bei der Weltmeisterschaft in Südafrika haben sich die örtlichen Zeitungen ausgiebig mit dem Deutschen befasst, der immer trifft, besonders in Turnierjahren: 17 mal im Jahr 2002, immerhin elf mal im verkorksten Jahr 2004. Und dann: 2006: 17 Tore, 2008: 15. In diesem Jahr sind es auch schon wieder neun. Doch obwohl sein Name im Ausland eine Marke darstellt, ist Kloses Karriere noch nicht mit einem jener großen Transfers veredelt worden, der zur Legendenbildung beiträgt. 15 Millionen Euro hat sich der FC Bayern im Sommer 2007 Kloses Dienste kosten lassen. Doch der Miroslav Klose, den man aus Bremen kannte, ist nie in München angekommen. Maximal zehn Tore hat Klose für die Bayern pro Jahr erzielt. In der vergangenen Saison waren es dann nur noch drei.

In der Nationalmannschaft funktioniert Klose dagegen stets tadellos. Auf drei Tore ist sein Abstand geschrumpft auf Joachim Streich, der für den Fußball-Verband der DDR (DFV) 55 Treffer erzielte. Und am Dienstag stellt sich Aserbaidschan im Kölner Stadion vor. Doch die Laufarmee des Berti Vogts wird sich in der eigenen Hälfte verschanzen. Schon in der Qualifikation zur WM 2010 war Aserbaidschan alles andere als eine Gegentormaschine. Für Miroslav Klose geht es daher weniger um Tor-Rekorde als darum, nach dem Sieg über Belgien die nächsten Punkte in der EM-Qualifikation zu sammeln. „Gerd Müllers Rekord ist ein Ziel. Aber man muss vor allem mannschaftsdienlich spielen“, sagt er. Und denkt auch zurück an die Triumphe bei der Weltmeisterschaft, gegen die ein Pflichtspiel an einem Dienstagabend gegen Aserbaidschan eher eine Qual ist als die Gelegenheit, den Ruhm zu mehren. „Es ist schwierig gegen Aserbaidschan. Gegen Argentinien oder Brasilien kann jeder gut spielen.“



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