Von Heike Müller, 06.09.10, 21:56h
Punktgenaue Überfahrten und Landungen
Dabei hat die Ballonfahrerin die Aufgabe, einen vorgegebenen Zielpunkt möglichst in Bodennähe zu überfahren. Für den Fallschirmspringer Müller kommt es ebenfalls auf Zielgenauigkeit an. Er muss möglichst nahe an einem vorgegebenen Zielplatz landen. Aufgaben, für die auf jeden Fall einer günstig stehen muss - der Wind. „Du weißt nie, wohin der Wind dich trägt“, beschreibt Siegrid Ibes das Ballonfahren. Doch das Fahren allein genügt ihr nicht: „Das wäre mir zu langweilig.“ Die Neusserin sucht seit Jahren die sportliche Herausforderung, ist eine von drei deutschen Frauen, die Ballonfahren auch im Wettbewerb betreiben. „Das ist ganz schön anstrengend!“
In den zehn Tagen der Montgolfiade lässt sie kaum einen Start ungenutzt. Zwischen abendlicher Landung und dem nächsten Start im Morgengrauen bleibt kaum Zeit für Schlaf. Im Ballon ist die Vermessungstechnikerin jedoch hellwach und konzentriert. Immer wieder betätigt sie den Brenner, der Ballon gewinnt Höhe. Ibes testet die Windgeschwindigkeit in verschiedenen Luftschichten, verfolgt den Funk, um sich über mögliche Regenfronten zu informieren. Regnet es, muss sie sofort landen. Für größere Höhen hat der Meteorologe flotte Winde vorhergesagt. Doch weht er zu stark, kann das den Ballonfahrer leicht über das anvisierte Ziel hinaustragen. Immer wieder lehnt sich Ibes aus dem Korb, beobachtet die Landschaft. Sie überprüft wiederholt die Koordinaten, um an das vorgegebene Ziel zu kommen.
Doch heute bekommt sie weder ausreichende Höhe, damit Fallschirmspringer Müller einen Sprung wagen kann, noch gelingt es ihr, den Zielpunkt zu überfliegen. Hinter einem Wald geht Ibes zur Landung über. Auf dem abschüssigen Acker übernimmt Copilot Klaus das Kommando.
Gerne wäre Ibes selber gelandet. „Ich hab bereits schwierigere Situationen gemeistert“, stellt sie klar. Mit fast 50 Fahrten ist die Pilotin jedoch eher unerfahren. Klaus Hartmann hat dagegen 1.000 Flugstunden hinter sich. Sanft setzt er den Korb auf. Kurz darauf sind die Verfolger mit Transporter und Hänger zur Stelle und begrüßen die Fahrer mit dem Ballöner-Gruß „Glück auf, gut Land“. Auf der Fahrt zurück zum Startplatz ist die Pilotin entspannt und zufrieden. Jede Fahrt werde gewertet, sagt sie. Und die Montgolfiade dauert schließlich noch die ganze Woche.
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