Von Gerd Höhler und Stephan Kaufmann, 06.09.10, 21:02h, aktualisiert 07.09.10, 00:05h
Analysten zweifeln an griechischer Zahlungsfähigkeit
Die Athener Regierung erfreut mit ihrer Sparpolitik zwar nicht ihre Bevölkerung, dafür aber die Ökonomen. Denn das ehrgeizige Ziel, das öffentliche Defizit dieses Jahr um 5,5 Prozent zu senken, wird erreicht. In den ersten sieben Monaten hat der Staat 11,2 Milliarden Euro weniger ausgegeben als im Zeitraum des Vorjahres. So weit, so gut. Doch an den Finanzmärkten scheint man seine Zweifel zu haben. Griechische Anleihen sind in der Krise abgestürzt und erholen sich nicht. Die Rendite zehnjähriger Papiere liegt mit über elf Prozent nur knapp unter dem Krisenhoch vom Mai. „Ich würde Griechenland kein Geld über zehn Jahre leihen“, so ein Analyst einer deutschen Großbank. Die Zweifel gruppieren sich um die Annahme, dass Athen zwar sein Defizit verringern kann. Langfristig aber drückt dies das Wirtschaftswachstum. In Kombination mit weiter hohen Zinsen könnte dies dazu führen, dass die Schuldenquote - also der Anteil der Gesamtschulden am BIP - weiter wächst. „In diesem Fall“, so die Großbank UBS, „könnte eine Regierung zum Schluss kommen, dass eine staatliche Zahlungsunfähigkeit die einzige Option ist“ - die Milliardenkredite von EU und IWF hätten eine Pleite dann nicht verhindert.
Dieser Pessimismus hat den Griechenland-Gläubiger IWF nun zu einem Positionspapier herausgefordert. Darin nennt der Fonds einen Zahlungsausfall „unerwünscht, unnötig und unwahrscheinlich“. Denn ähnlich starke Schuldensenkungen seien bereits in der Vergangenheit gelungen. Der Schaden der Sparprogramme ist nach Ansicht des IWF jedenfalls geringer als der einer Schuldenstreichung. Ob der IWF Recht behält oder die Märkte mit ihrer Skepsis, hängt letztlich vom Wachstum in Griechenland ab - und mithin davon, wie stark die Sparprogramme das Wachstum drücken.
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