Von Stefan Sauer und Thomas Kröter, 06.09.10, 21:49h
Man gerät schon beim Zuhören ein bisschen aus der Puste. Zugleich lässt sich der Verdacht nicht beiseite wischen, dass hier ein monatelanger Koalitionsstreit mit abschließendem Kompromiss zur Verlängerung der Atomkraftwerkslaufzeiten mit zuckrigem Geschwurbel versüßt wird. Der Verdacht wird genährt durch ein Papier, das während der Pressekonferenz der beiden Minister am Montagmittag verteilt wird. 39 Seiten umfasst das „Energiekonzept“, in exakt drei Zeilen teilt man so lapidar wie möglich mit, dass „die Laufzeit der 17 Kernkraftwerke in Deutschland um durchschnittlich 12 Jahre verlängert“ werde. Dem Ausbau des Stromnetzes, zu dem konkreten Beschlüsse nicht beiliegen, sind fünf Seiten gewidmet. Man ahnt die Absicht umso mehr, als es um eine der Kernfragen der Kernenergie geht, um die Sicherheit.
Röttgen hatte zuletzt darauf gedrungen, dass verlängerte Laufzeiten sicherheitstechnische Nachrüstungen notwendig machten, die die AKW-Anlagen etwa gegen Terroranschläge mit Verkehrsflugzeugen schützen sollten. Davon ist nunmehr keine Rede mehr. Stattdessen habe man „eine Ermächtigungsgrundlage für die Bundesländer geschaffen, nach neuestem technischen Standard“ nachrüsten zu lassen.
SPD-Länder als Röttgens "heimliche Verbündete"Eleganter ist Verantwortung selten abgeschoben worden. Aber der Minister stand auch unter erheblichem Druck. Der Kabinettskonflikt mit Brüderle ist normal. Angela Merkel erinnert sich gut, wie sie als Umweltministerin fast nie mit Wirtschaftsminister Günter Rexroth einig gewesen ist. Nein, Röttgen hatte und hat mächtigere Gegner: Die Ministerpräsidenten der Atomländer, an der Spitze die „Südlichter“ Horst Seehofer und Stefan Mappus. Schlimmer noch: Er hat sich mit Volker Kauder verdorben, als er dem Unionsfraktionschef im Gefolge der Bundestagswahl nach dem Amt trachtete. Seither macht Kauder Röttgen, so gut es geht, das Leben schwer. Er war es zum Beispiel, der dafür sorgte, dass zu den erwogenen Szenarien auch eine Laufzeitverlängerung um 28 Jahre zählte. Und wenn die atomare Entscheidungsnacht im Kanzleramt länger dauerte, lag das nicht an Rainer Brüderle - sondern an Kauder und seinen Experten. Sie forderten Röttgens und Merkels ganze Überzeugungskraft und Geduld. Der Umweltminister hat dafür einen Verbündeten, zu dem er sich aber nicht bekennen darf: Die SPD-regierten Länder könnten mit ihrer Verfassungsklage dafür sorgen, dass Röttgens Plan einer kürzeren Atomkraftverlängerung doch noch Wirklichkeit wird.
Leitartikel Seite 4
Reaktionen auf Einigung: Die Ökostrom-Branche ist entsetzt
Leitartikel zum Atom-Gipfel: Ein großer Schritt zurück
Übersicht: Erneuerbare sollen „tragende Säule“ werden
Die Entscheidung pro oder contra...
07.09.2010 | 08.50 Uhr | Realist60
... Atomenergie ist zu ernst, um sie Nichtfachleuten zu überlassen. Wo aber bleiben die Cracks, die wirklich Ahnung von der Materie haben? Und denen…
Oh Herr...
07.09.2010 | 08.14 Uhr | SchmitzeJupp
Der Himmel möge sich teilen, ein großer Ar... erscheinen und das ganze Politikerpack zusch...
Die Verlogenheit der Politik (und dabei spielt es…
Es ist wirklich unglaublich,
07.09.2010 | 02.04 Uhr | michaschreibt
dass eine Regierung, die im Volk keine Mehrheit mehr hat dann auch noch etwas als sensationellen Beschluss verkündet, was am Mehrheitswillen des…
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