Schriftgröße

Kommentar zur OECD-Studie

Große Worte, wenig Taten

Von Kerstin Meier, 07.09.10, 20:42h

Deutschland muss mehr ins Bildungswesen investieren. Ansonsten droht der „Bildungsnation“ ein Fachkräftemangel. Die Probleme, auf die die OECD-Studie aufmerksam macht, sind schon lange bekannt. Doch Bund und Länder streiten lieber um die Kosten, als endlich aktiv zu werden.

Hochschule
Bild vergrößern
Bildung will jeder, doch zahlen will keiner. (Bild: dpa)
Hochschule
Bild verkleinern
Bildung will jeder, doch zahlen will keiner. (Bild: dpa)
Es ist ja nicht so, dass niemand studieren möchte. Im Gegenteil - für die meisten Studiengänge gibt es viel mehr Bewerber als Plätze. Die Studienplätze sind knapp, weil sie die Länder viel Geld kosten. Deswegen können nur die besten Abiturienten studieren. Die anderen drängen folglich auf den Lehrstellenmarkt und verdrängen dort Haupt- und Realschüler von den Ausbildungsplätzen.

Doch wer an der Hochschule spart, handelt kurzsichtig. Denn wenn erst mal die Mediziner, Lehrer und Ingenieure fehlen, ist es längst zu spät. Schließlich dauert es mindestens fünf Jahre, bis die nächste Studentengeneration auf dem Arbeitsmarkt ist.

Mit Blick auf die OECD-Studie scheint es mehr als absurd, dass sich Deutschland auf Bildungsgipfeln feierlich zur „Bildungsnation“ erklärt und dort Ziele vereinbart, die dieses Land wohl nie erreichen wird. Eines davon: bis zum Jahr 2015 die Ausgaben für Bildung und Forschung auf zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern. Ein wichtiges Vorhaben! Doch Bund und Länder haben sich in einen scheinbar endlosen Streit verstrickt, wer dafür die Kosten tragen soll. Und so wird diese Nation wohl auch im Jahr 2015 immer noch bei mickrigen 4,7 Prozent dahin dümpeln.

Dass Deutschland ein drastischer Fachkräftemangel droht, dürfte sich inzwischen bis zu jedem Hinterbänkler herum gesprochen haben. Trotzdem landete nun sogar die dringend nötige Bafög-Reform im Vermittlungsausschuss - wegen Finanzierungsfragen. Jeder will Bildung, aber keiner will dafür bezahlen. So ruinieren wir sehenden Auges unser Bildungssystem.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Anzeige


Hintergrund


Der satirische Wochenrückblick


Kölner Stadt-Anzeiger auf dem iPad


Bildergalerien


Kolumne


Kolumne


Kolumne


Kolumne


Kolumne


Die andere Meinung


Dienste