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Giordano-Brief an Seehofer

Tradition der Verdrängung kritisiert

Erstellt 08.09.10, 23:37h, aktualisiert 08.09.10, 23:45h

Der Autor warnt Horst Seehofer in einem offenen Brief vor einer Bestätigung der „Charta der Vertriebenen“. Zu deren 60-jährigem Bestehen redet der CSU-Chef am Samstag auf einer Feier. Das Werk geht weder auf Holocaust noch auf sonstige NS-Verbrechen ein.

Ralph Giordano
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Ralph Giordano. (Bild: dpa)
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Ralph Giordano. (Bild: dpa)
KÖLN - Der jüdische Schriftsteller Ralph Giordano hat die Heimatvertriebenen vor einer historischen Verdrängung der Naziverbrechen gewarnt. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer solle der „Tradition der Verdrängung“ bei einem Festakt am nächsten Samstag in Berlin ein Ende bereiten, schrieb der 87-Jährige in einem offenen Brief an den CSU-Politiker. Zentraler Kritikpunkt Giordanos ist die vor 60 Jahren verabschiedete - und bis heute umstrittene - „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“.

Der Bund der Vertriebenen (BdV) hatte die Charta jüngst in einer Feierstunde als herausragend gewürdigt. Für Giordano ist sie dagegen ein „Paradebeispiel deutscher Verdrängungskünste“. In dem Dokument würden die NS-Verbrechen, die Vertreibung der Juden seit 1933, der Vernichtungskrieg im Osten und der Holocaust nicht einmal erwähnt.

Er hoffe, dass Seehofer sich in seiner Rede daher nicht auf die Charta stützen werde. „Was wird nun diesmal, Herr Ministerpräsident? Wieder Berufung auf eine Schrift zur Vertreibung, die kein Wort, keine Silbe, keine Buchstaben von der Vorgeschichte der Vertreibung enthält, also ihrem apokalyptischen Ursprung?“. Es sei einäugig, wenn die Heimatvertriebenen in der Charta als „die vom Leid dieser Zeit am schwersten Betroffenen“ bezeichnet würden.

Die vor 60 Jahren verabschiedete Charta war die erste gemeinsame Erklärung der deutschen Vertriebenengruppen nach dem Zweiten Weltkrieg. Darin wird das Recht auf Heimat gefordert und ein Verzicht auf Rache und Vergeltung erklärt. (dpa)



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