Von Susanne Rohlfing, 08.09.10, 19:43h, aktualisiert 08.09.10, 19:45h
Klitschko selbst ahnt das wohl, auch wenn er es sich anders wünscht. Die Ankündigung von Peters Manager Ivaylo Gotsev, dass der Weltmeister innerhalb der ersten sechs Runden ausgeknockt werde, konterte der 34-jährige Ukrainer ganz gelassen mit den Worten: „Ich bin daran gewöhnt, dass meine Gegner ein schnelles K. o. und ein Vermöbeln versprechen, das habe ich schon oft gehört.“ Dazu ein mitleidiges Lächeln.
Aber auch Gotsev hatte noch eine Spitze parat. Der Bulgare bedankte sich artig für die Geburtstagstorte, die das Klitschko-Team Peter am Montag zu seinem 30. Geburtstag überreichte, und sagte dann: „Seine Geschenke wird Samuel sich am Samstag abholen, und was könnte geeigneter sein als Wladimirs Gürtel?“
Der Weltmeister hatte die begehrten Objekte vor sich liegen, die Gürtel der Weltverbände IBF und WBO sowie den des weniger bedeutenden Verbandes IBO und den Spezialgürtel des amerikanischen Boxsportmagazins „The Ring“. Diesen nahm Klitschko nun in die Hand, hielt ihn Samuel Peter hin und sagte: „Es ist dein Geburtstag Sam, deshalb darfst du meinen Gürtel mal anfassen.“ Peter starrte mit versteinertem Blick stur geradeaus und schwieg.
Peters Nicht-Reaktion stachelte Klitschko in seinem Gebaren als eloquenter Alleinunterhalter umso mehr an. Er wandte sich erneut an den Nigerianer und fragte: „Samuel, in einem Interview habe ich gelesen, dass du gesagt hast, in unserem ersten Kampf habe der Ringrichter dir den Sieg gestohlen. Stimmt das?“ Peter starrte mit versteinertem Blick stur geradeaus und schwieg.
Das Duell Samuel Peter gegen Wladimir Klitschko gab es schon einmal - und damals ging es tatsächlich auch im Ring sehr spannend zu. Klitschko war dreimal am Boden, brachte aber auch Peter an den Rand eines Knockouts und siegte schließlich nach Punkten. Doch das ist fünf Jahre her. Damals war Klitschko noch nicht der Boxer, der er heute ist. Im September 2005 waren seine beiden bösen K.-o.-Niederlagen gegen Lamon Brewster (April 2004) und Corrie Sanders (März 2003) noch nicht all zu lange her. Und Samuel Peter war noch ein Mann, der wegen seiner Schlagkraft mit der Schwergewichts-Legende Mike Tyson verglichen und „The Nigerian Nightmare“, der Nigerianische Alptraum genannt wurde.
Den Namen trägt Peter noch heute, doch den damit verbundenen Nimbus des knallharten Schlägers verlor er spätestens im Oktober 2008, als er von Vitali, dem älteren Klitschko, derart gnadenlos verdroschen wurde, dass er nach acht Runden nicht mehr aus seiner Ecke kam. Warum also sollte er, der schon zweimal gegen einen Klitschko verloren hat, ein stärkerer Gegner sein für Wladimir Klitschko als all die anderen, die der Ukrainer zuletzt so hilflos aussehen ließ? „Weil ich weiß, wovon ich spreche“, sagte Peter, „ich war schon drin in diesem Feuer“.
Der Nigerianer ist deutlich schlanker geworden seit seiner Niederlage gegen Vitali Klitschko, und er hat mit Abel Sanchez einen neuen Trainer. Wladimir Klitschko bezeichnet ihn hartnäckig als „eine Herausforderung“ für sich selbst. Aber Peter wirkte schon im verbalen Feuer des Weltmeisters ein wenig hilflos.
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