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Suchthilfe

Abstinenz ist ein absolutes Gebot

Von Heike Nickel, 08.09.10, 16:43h

Der Caritas-Verband hatte zum Sommerfest ins frisch renovierte Vinzenz-von-Paul-Haus eingeladen. 18 Männer und Frauen werden dort in fünf Wohngemeinschaften betreut.

Vinzenz-von-Paul-Haus
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Beim Sommerfest im Vinzenz-von-Paul-Haus konnte man auch einen Blick in die sanierten Gebäude werfen. (Bild: Nickel)
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Beim Sommerfest im Vinzenz-von-Paul-Haus konnte man auch einen Blick in die sanierten Gebäude werfen. (Bild: Nickel)
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Seine kreative Ader entdeckte dieser Bewohner während seiner Zeit im Caritas-Wohnheim. Er stellt seither fantasievolle Holzskulpturen her. (Bild: Nickel)
Vinzenz-von-Paul-Haus
Euskirchen-Euenheim - Als einen „lebendigen Lernprozess im Hier und Jetzt, der es ermöglicht, in einer alltagsnahen Umgebung etwas über sich und andere zu erfahren, Veränderungsmöglichkeiten und Notwendigkeiten daran zu erkennen und umzusetzen“ - so versteht der Caritas-Verband sein Konzept des betreuten Wohnens. Umgesetzt wird dies unter anderem im Vinzenz-von-Paul-Haus in Euenheim, einer alten Hofanlage, die kürzlich aufwendig saniert wurde.

Fünf Wohngemeinschaften

18 Männern und Frauen wird hier in fünf Wohngemeinschaften ein suchtmittelfreier Wohnraum angeboten. Fachkräfte bieten je nach Bedarf, der individuell ermittelt wird, Hilfe zur Selbsthilfe im Alltag und bei der Umsetzung eines abstinenten Lebens an, das absolutes Gebot in der Einrichtung ist. „Die Bewohner müssen ein hohes Maß an Abstinenzfähigkeit und -willen mitbringen“, betonte Bernhard Becker, Fachbereichsleiter der Caritas-Suchthilfe.

Am Wochenende wurde im Vinzenz-von-Paul-Haus zum Sommerfest geladen. Ehemalige und derzeitige Bewohner, Angehörige, Nachbarn, Freunde und Kollegen der Mitarbeiter genossen die spätsommerlichen Sonnenstrahlen im Hof des Anwesens und warfen einen Blick in die frisch renovierten und sanierten Gebäude, die bereits 1984 von der Caritas übernommen wurden.

Vor allem in das ehemalige Bürgermeisteramt Euenheims, später auch „Mäuseburg“ genannt, wurde reichlich Arbeit und Geld investiert: Fenster, Heizung, Böden wurden saniert, in allen WGs wurden zudem neue Küchen eingebaut. Auch der Garten der Hofanlage wurde neu gestaltet und mit drei Teichen versehen.

„Ich fühle mich immer noch wohl hier“, erzählte ein Bewohner. Der 63-Jährige lebt seit acht Jahren im Vinzenz-von-Paul-Haus. Hans T. (Name geändert) hat bereits als Zwölfjähriger regelmäßig Alkohol getrunken, später gab es im Junggesellenverein und der Karnevalsgesellschaft häufig Anlass, sich zu betrinken. Irgendwann wurde auch dem Stress auf der Arbeit mit Alkohol begegnet, woraufhin es nicht lange dauerte, bis Hans T. arbeitslos war. „Einmal habe ich probiert, wieder selbstständig und alleine zu leben, aber das ging nicht lange gut.“ Nach erneuter Entgiftung und weiterer Therapie zog er wieder ins Vinzenz-von-Paul-Haus, seinem „persönlichen Schutzraum“, wie er meint.

„Bisweilen bieten die WGs hier eine spannende Mischung“, so Bernhard Becker: „Junge Erwachsene leben gemeinsam mit Männern im Rentenalter. Das ist wie in einer Familie.“ Die Bewohner, die einen Mietvertrag mit dem Caritasverband schließen, bleiben im Schnitt 18 Monate, manche ziehen nach einigen Wochen wieder weg, andere - wie Hans T. - verbringen etliche Jahre hier.

Alltagskompetenzen stärken

Doch nicht nur im Vinzenz-von-Paul-Haus wird betreutes Wohnen angeboten, sondern auch in einer Sechser-WG in Euskirchen sowie seit einigen Jahren auch in den eigenen vier Wänden, „was der Verwahrlosung enorm entgegenwirkt“, wie Bernhard Becker meinte.

Hauptziel des betreuten Wohnens ist immer, eine Verbesserung der Lebenssituation herbeizuführen, besondere soziale Schwierigkeiten zu beseitigen, zu mildern oder ihre Verschlimmerung zu verhüten und Alltagskompetenzen zu stärken. All das zusammen ist Grundlage zur Auseinandersetzung mit der Suchterkrankung und der Entwicklung neuer Verhaltensstrategien.



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