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Kim-Nachfolge in Nordkorea

Konklave mit sozialistischem Pomp

Von Bernhard Bartsch, 09.09.10, 00:33h

In Nordkorea stehen alle Zeichen auf eine baldige Machtübergabe des Diktators Kim Jong-Il an seinen jüngsten Sohn Kim Jong-Un. Pünktlich zum 62. Gründungstag des kommunistischen Staates tagt ein Parteikongress, auf dem der Übergang besiegelt werden könnte.

Kim Jong-Un
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Ein altes Foto zeigt offenbar den jungen Kim Jong-Un zu seiner Studienzeit in Bern. Der heute 27-Jährige soll seinen Vater Kim Jong-Il an der Spitze des nordkoreanischen Regimes beerben. (Bild: afp)
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Ein altes Foto zeigt offenbar den jungen Kim Jong-Un zu seiner Studienzeit in Bern. Der heute 27-Jährige soll seinen Vater Kim Jong-Il an der Spitze des nordkoreanischen Regimes beerben. (Bild: afp)
Eine Papstwahl ist nichts dagegen: Mit sozialistischem Pomp und verschwörerischer Geheimniskrämerei bereitet Nordkoreas Arbeiterpartei derzeit ihre größte Versammlung in 44 Jahren vor. Seit Tagen stimmt die Staatspropaganda das Volk darauf ein, dass etwas Wichtiges bevorstehe. Noch dröhnender als sonst beschwören die Zeitungen das Gedenken an den „Großen Führer“ und „Ewigen Präsidenten“ Kim Il-Sung, der auch 16 Jahre nach seinem Tod weiterhin Nordkoreas offizielles Staatsoberhaupt ist, und erinnern daran, wie viel Vertrauen Kim in die jüngere Generation habe.

Gesundheitlich angeschlagener Diktator

Was es mit den Andeutungen auf sich hat, wird das Volk womöglich am Donnerstag erfahren, zum 62. Gründungstag der Demokratischen Volksrepublik Korea: Südkoreanischen Medienberichten zufolge will Diktator Kim Jong-Il dann seinen jüngsten Sohn Kim Jong-Un offiziell zu seinem Nachfolger machen und von den 2.000 Delegierten des Parteikongresses mit Kompetenzen ausstatten lassen.

Doch ob diesen Donnerstag tatsächlich „weißer Rauch“ über Pjöngjang aufsteigt, ist ungewiss. Zwar gilt es als sicher, dass die Ernennung des jungen Kim Jong-Un, dessen Alter auf 27 geschätzt wird, unmittelbar bevorsteht. Doch darüber hinaus ist über die Interna des Regimes so wenig bekannt, dass nicht einmal gesichert ist, ob das Parteikonklave bereits begonnen hat oder nicht.

Der 68-jährige Kim gilt seit einem Schlaganfall im August 2008 als gesundheitlich schwer angeschlagen. Die Erkrankung wurde zwar nie offiziell eingestanden, ist aber nicht zu verbergen.

Studium in der Schweiz

Nach Koreas konfuzianischer Familientradition wäre der älteste Sohn, Kim Jong-Nam, der prädestinierte Erbe. Doch der 39-Jährige soll wegen extravaganter Eskapaden in Ungnade gefallen sein. Seit Jahren führt er ein ausschweifendes Leben in Peking, Hongkong und Macao. Die Nummer zwei in der Erbfolge, Kim Jong-Chol (29), scheint ebenfalls nicht die Gunst des Vaters zu haben. Deshalb konzentrieren sich die Nachfolgespekulationen seit vergangenem Jahr auf Kims jüngsten Sohn.

Einen Großteil seiner Jugend soll Jong-Un in der Schweiz verbracht haben, wo er in der nordkoreanischen Botschaft lebte und unter dem Namen Pak Chol die Internationale Schule Bern besuchte. Laut Mitschülern liebte er Basketball und Actionfilme, war bei Klassenkameraden beliebt. 1998 verschwand er - angeblich ohne Abschluss - nach Nordkorea. Sollte er nun offiziell inthronisiert sein, dürfte die staatliche Propaganda den Familienkult umgehend auch auf ihn auszudehnen.



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