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Ursula von der Leyen

Löhne steigen nur sehr langsam

Von Eva Roth, 08.09.10, 21:07h

Die Arbeitsministerin unterstützt die Forderungen der Gewerkschaften nach höheren Arbeitsentgelten auf breiter Front. Tatsächlich belegt die Statistik: Die Lohnkosten-Zuwächse waren seit 2000 viel niedriger als in anderen EU-Ländern.

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Bundesarbeitsministerin von der Leyen (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, die Beschäftigten am Aufschwung zu beteiligen. (Bild: ddp)
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Bundesarbeitsministerin von der Leyen (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, die Beschäftigten am Aufschwung zu beteiligen. (Bild: ddp)
FRANKFURT/MAIN - Jetzt müsse endlich Schluss sein mit der Lohnzurückhaltung. Das fordern inzwischen nicht nur gewerkschaftsnahe Ökonomen. Auch Chefvolkswirte aus Banken und Forschungsinstituten sind zu der Einsicht gelangt, dass es an der Zeit ist, Arbeitnehmern höhere Einkommen zu gewähren. Am Mittwoch hat sich die konservative Arbeitsministerin Ursula von der Leyen auf ihre Seite geschlagen: „In der Tat sollten in der Aufschwungphase die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch davon profitieren“, formulierte die CDU-Politikerin.

Bescheidene Zuwächse

Im letzten Aufschwung hat das nicht geklappt. Auch auf lange Sicht mussten sich Beschäftigte in Deutschland mit bescheidenen Zuwächsen begnügen: Die Bruttostundenlöhne sind hierzulande seit 2000 so langsam gestiegen wie in keinem anderen EU-Staat. in Deutschland legten sie um knapp 22 Prozent zu, im gesamten Euroraum betrug das Plus dagegen fast 30 Prozent, berichtete das Statistische Bundesamt.

Die jahrelange Kampagne von Arbeitgebern und führenden Ökonomen für Lohnzurückhaltung hat sich für die Unternehmen also ausgezahlt. Auch die Klagen über hohe Sozialabgaben zeigten Wirkung: Die Lohnnebenkosten stiegen in Deutschland nur um neun Prozent. Der Anstieg ist im europäischen Vergleich extrem gering: Im gesamten Euroraum betrug das entsprechende Plus 33 Prozent.

Zu den Lohnnebenkosten gehören der Arbeitgeber-Anteil an den gesetzlichen Sozialabgaben sowie freiwillige Sozialleistungen der Betriebe. Und genau hier haben Firmen kräftig gespart. Insbesondere bei der betrieblichen Altersvorsorge gab es deutliche Einschnitte, berichtet der Arbeitsmarktexperte Gerhard Bosch von der Uni Duisburg Essen. Auch für die Lohnfortzahlung bei Krankheit müssen Firmen heute weniger berappen, weil Beschäftigte sich seltener krank melden. Zudem müssen Arbeitgeber heute 0,9 Prozentpunkte weniger als ihre Arbeitnehmer in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlen.

Deutschland wird von Frankreich und anderen Euro-Staaten immer wieder kritisiert, sich mit seiner Lohnzurückhaltung Wettbewerbsvorteile auf Kosten anderer Euro-Länder zu verschaffen. Gleichzeitig bremse dies den privaten Konsum in der größten Volkswirtschaft Europas, die für viele Nachbarländer der wichtigste Absatzmarkt ist.

Im Frühjahr setzte sich der moderate Anstieg der Arbeitskosten in Deutschland fort. Eine geleistete Arbeitsstunde im Produzierenden Gewerbe und bei den Dienstleistern verteuerte sich im zweiten Quartal um 0,4 Prozent im Vergleich zu den ersten drei Monaten. Dafür sorgten höhere Kosten für Bruttolöhne und -gehälter, die um 0,4 Prozent anzogen. Die Lohnnebenkosten stagnierten dagegen mit einem Plus von 0,1 Prozent nahezu.

Vielerorts zu schwach

Wie geht es nun weiter? Werden Arbeitnehmer künftig mehr Geld auf dem Konto haben? In Industrien wie der Stahlbranche sind die Chancen gut, denn hier gibt es noch starke Gewerkschaften. Im wachsenden Dienstleistungssektor sind Verdi und Co. jedoch vielerorts zu schwach, um spürbare Lohnzuschläge durchsetzen zu können. Hier wird es nur dann eine lohnpolitische Wende geben, wenn die Politik handelt: Sie kann Mindestlöhne einführen, Tarifverträge für allgemeinverbindlich erklären und die gleiche Bezahlung von Leiharbeitern gesetzlich verankern. Arbeitsministerin von der Leyen kann also selbst dazu beitragen, dass Arbeitnehmer vom Aufschwung profitieren. „Die Gewerkschaften allein haben nicht die Macht, in der Gesamtwirtschaft eine lohnpolitische Wende einzuleiten“, betont Bosch. „Die Hälfte der Aufgabe liegt im Hause der Bundesregierung.“



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