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Steinigung

„Wir rechnen mit dem Schlimmsten“

Von Olivia Schoeller, 10.09.10, 23:04h, aktualisiert 02.11.10, 14:19h

Im Telefonat wird Sajad Aschtiani deutlich. Seine Mutter Sakineh Mohammadi Aschtiani werde im Iran möglicherweise tatsächlich gesteinigt. Er rechne mit dem Schlimmsten. Seit Monaten hat der Fall weltweite Proteste ausgelöst.

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Demonstranten in Rom setzen sich für eine Freilassung von Sakineh Mohamadi Ashtiani ein. (Bild: dpa)
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Demonstranten in Rom setzen sich für eine Freilassung von Sakineh Mohamadi Ashtiani ein. (Bild: dpa)
BERLIN - Die Telefonverbindung in den Iran ist schlecht. Immer wieder bricht die Stimme am anderen Ende der Leitung ab oder wird von starken Rauschen übertönt. Doch die Botschaft von Sajad Aschtiani kommt trotzdem im Hotel Amano in Berlin-Mitte an: „Das Leben meiner Mutter ist noch immer in Gefahr. Wir rechnen mit dem Schlimmsten“, sagt der Sohn von Sakineh Mohammadi Aschtiani, der via Mobiltelefon zu einer Pressekonferenz des Komitees zur Verhinderung von Steinigungen zugeschaltet ist. Das Schlimmste womit Sajad Aschtiani rechnet, ist die mögliche Steinigung seiner Mutter.

Seit Monaten schon hat der Fall um Sakineh Mohammadi Aschtiani weltweite Proteste ausgelöst. Die heute 43-jährige Iranerin war zunächst des Mordes an ihrem Ehemann angeklagt. Nach Angaben der iranischen Behörden habe man sie dafür zum Tode verurteilt. Doch Aschtianis Anwalt bestreitet das und erklärt, die Familie habe ihr vergeben, weshalb die Strafe in eine zehnjährige Haft umgewandelte wurde.

Neben der Mordanklage bezichtigtet man sie, unerlaubte Beziehungen zu zwei Männern unterhalten und Ehebruch begangen zu haben. Für das erste „Vergehen“ wurde sie mit 99 Peitschenhieben bestraft, für den angeblichen Ehebruch zum Tod durch Steinigung verurteilt. Nach weltweiten Protesten, denen sich Regierungen, Menschenrechtsorganisationen, Medien, der Vatikan und seit am Freitag auch das Europäische Parlament anschlossen, wollte Iran die Vollstreckung des Steinigungsurteils vorläufig aussetzen. Die Hoffnung wuchs, als vor wenigen Tagen ein Sprecher des iranischen Außenministeriums erklärte, der Fall werde aufgerollt.

Doch weder der Sohn Aschtianis noch ihr Anwalt sehen Grund zur Entwarnung. Ihm läge keine schriftliche Bestätigung der Behörden vor, sagte Djavid Houtan Kian, der ebenfalls telefonisch der Konferenz zu geschaltet war. Kian zeigte sich auch beunruhigt, dass der Mordfall, nun wieder aufgerollt werden soll. „Das ist frappierend“, meint Kian. Wie der Sohn, befürchtet auch der Rechtsanwalt, dass seine Mandantin zwar nicht gesteinigt, aber dennoch hingerichtet werden soll. Der muslimische Fastenmonat Ramadan sei zu Ende gegangen und deshalb könne die Angeklagte jederzeit auch ohne Ankündigung getötet werden, warnten beide.

„Sie ist unschuldig“

Bereits im Sommer war Aschtiani die Vollstreckung der Straf angekündigt worden. Doch dann geschah nichts. Nun wächst die Angst erneut. Seit über drei Wochen haben die Kinder keinen Kontakt zu ihrer Mutter. Sajad Aschtiani warnt deshalb davor, ein Interview mit seiner Mutter als authentisch zu akzeptieren. „Es entstand ohne Rechtsbeistand“, sagte der Sohn. Er bat die Öffentlichkeit weiter für das Leben seiner Mutter zu kämpfen und erklärte: „Sie ist unschuldig“. Da war trotz der schlechten Verbindung seine Verzweiflung deutlich zu spüren.

Die Vorsitzende des Komitees gegen Steinigungen, Mina Ahadi, zeigte sich zufrieden mit der weltweiten Unterstützung. Mittlerweile haben knapp eineinhalb Millionen Menschen den Aufruf zur Freilassung Aschtiani unterschrieben. Nach Meinung Ahadis wäre sie ohne den internationalen Druck bereits tot. Ahadi, deren Ehemann in den 80er Jahren als Regimekritiker in demselben Gefängnis hingerichtet worden war, in dem heute Aschtiani sitzt, fordert den Westen auf den Druck auf den Iran zu verstärken. Westliche Regierungen sollten jeden diplomatischen Kontakt zu dem Regime einfrieren und Präsident Mahmud Ahmadinedfschad sogar Redeverbot während der UN-Generalversammlung in New York Ende September erteilen.



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