Von Malte Ewert, 10.09.10, 17:41h
Lorkenhöhe liegt zwischen Marialinden und Federath. Markus Stinn hat hier seinen Hof. Oder besser gesagt: sein Kraftwerk. Denn aus den Ausscheidungen seiner Kühe macht er Strom. Seine Biogasanlage produziert 250 Kilowattstunden Energie. Die wird ins öffentliche Netz eingespeist und gut bezahlt. Längst laufen bei Markus Stinn die Uhren anders: Die Milch seiner 180 bis 200 Kühe ist nur noch Beiwerk. Der Kuhmist ist das Premium-Produkt, auf das es ihm ankommt.
„Meine Kühe produzieren 16 000 bis 20 000 Liter Gülle pro Tag. Das ist sehr frische Gülle, aus der noch nichts ausgegast ist“, erzählt der Familienvater. Unter Beimengung von Pferdemist und Pflanzenresten - etwa aus dem Maisanbau - ergibt sich in den Gärbehältern eine Mischung, die es in sich hat: Methangas. Ungenutzt würde es in die Luft entweichen und die Ozonschicht anknabbern. Doch nicht bei Markus Stinn. Dieser Bauer hat „Power“ ohne Ende. Er produziert so „viel Strom, dass er den ganzen Ort versorgen könnte. Ein Zwei-Personen-Haushalt verbraucht ungefähr zehn Kilowattstunden am Tag.
Das eigentliche Kraftwerk steht in einer neuen Halle. Ein Lkw-Motor treibt die Anlage an. Sie läuft 365 Tage im Jahr, es sei denn, ein Ölwechsel wird fällig. Die Apparatur ist hochmodern, wird bedient über Computer-Tastatur - und ruft ihren Besitzer sogar auf dem Handy an, wenn sie mal ein technisches Problem haben sollte. „Dieser Betrieb ist wirklich zukunftsweisend eingerichtet“, stellte Klaus Göllner von der Kreisstelle der Landwirtschaftskammer fest.
Auch Kreisbauernschaft-Vorsitzender Helmut Joest und Landrat Rolf Menzel waren sichtlich beeindruckt. Menzel nahm sich drei Stunden Zeit zur Bauernhof-Besichtigung: „Die moderne Landwirtschaft hat mit der alten nichts mehr zu tun“, stellte er hinterher fest. Er hatte die Einladung der Landwirtschaftskammer angenommen, weil modern denkende Bauern auf die Behörden angewiesen sind. Landwirte wie Stinn benötigen Genehmigungen wasserrechtlicher und baurechtlicher Art, mit denen Neuland betreten wird. Apropos Neuland: Stinn ist eine Hofgemeinschaft mit einem Bauern in Much eingegangen. Auf dass der Kuhmist niemals versiegen möge.
Zukunftsweisend arbeitet auch Thomas Hundt auf seinem Hof in Neuenhaus bei Vilkerath. Er ist laut Landwirtschaftskammer ein Paradebeispiel dafür, „welche Entwicklungsschritte Milchviehbetriebe vornehmen müssen, um existenzfähige Größenordnungen zu erreichen“. Hundt hat seinen Betrieb durch ständige Zukäufe auf der Milchbörse konsequent ausgebaut. Landwirte dürfen zurzeit nicht einfach nach Herzenslust Milch in den Markt einbringen. Aber: „Mit den Neubauten für meine Tiere bin ich mittlerweile am Ende der Fahnenstange angekommen“, sagt Hundt. Auch er wird weitere Baugenehmigungen brauchen.
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