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Islamisten in Mönchengladbach

Eine Einladung, die Angst macht

Von Petra Pluwatsch, 10.09.10, 23:17h, aktualisiert 13.09.10, 14:05h

Es ist das Ende eines ganz normalen Markttages in Mönchengladbach. Auffällig ist nur die Präsenz von Polizei und Presse. Hier treffen sich nun Mitglieder des islamischen Vereins „Einladung zum Paradies“ zum Nachmittagsgebet.

Einladung zum Paradies
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Der islamische Verein „Einladung zum Paradies“ präsentiert sich auf dem Marktplatz in Mönchengladbach-Eicken. (Bild: ksta)
Einladung zum Paradies
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Der islamische Verein „Einladung zum Paradies“ präsentiert sich auf dem Marktplatz in Mönchengladbach-Eicken. (Bild: ksta)
MÖNCHENGLADBACH - 13.45 Uhr auf dem Marktplatz von Eicken. Die Gärtnerei H. Berg packt die letzten Blumen zusammen: Heidekraut, Rosmarin, ein paar Zierkürbisse. Am Stand der Landfleischerei Clemens wird die Theke sauber gewischt. Ende eines ganz normalen Markttages in Mönchengladbach, Stadtteil Eicken. Auffällig allein: die Präsenz von Polizei und Presse. Denn an diesem Nachmittag werden sich auf dem Areal zwischen den schlichten 70er-Jahre-Bauten, zwischen dem Biergarten „The Penningshof“ und dem „Eiscafé Italia“ Mitglieder des islamischen Vereins „Einladung zum Paradies“ zum Nachmittagsgebet treffen.

Eine Notlösung, sagen die Einladenden. Schließlich sei ihre Moschee auf Geheiß der Stadt geschlossen, der Ausbau eines ehemaligen Gemüsenladen zu einer Islamschule zur Gänze untersagt worden. Eine Provokation, sagen etliche Einwohner und der Bürgerverein Eicken, der sich vor wenigen Wochen aus Protest gegen die Ansiedlung der Islamisten in ihrem Stadtteil zusammenfand.

In Braunschweig, wo der als radikal geltende Verein bis vor kurzem beheimatet war, war er ins Visier des niedersächsischen Verfassungsschutzes geraten, und auch in NRW zeigen sich die Verfassungsschützer nicht eben glücklich über den Umzug der Islamisten nach Mönchengladbach. Bereits die öffentlichen Nachtgebete in den vergangenen Tagen erregten die Gemüter der Anlieger. „Ich habe einfach ein mulmiges Gefühl“, gibt ein Anwohner, der seinen Namen nicht nennen möchte, offen zu. „Das hier ist“, sagt er und zeigt auf die Männer in den langen Kaftanen, „das ist für mich 9 / 11, und davor habe ich einfach große Angst.“ Nicht alle hier denken so wie er. „Wir müssen miteinander reden“, sagt Gisela Kliewer-Hildebrandt. Sie steht zu ihrem Namen. Gerade hat sie dem Vereinsvorsitzenden Abu Adam Sven Lau ein Buch in die Hand gedrückt mit der Bitte, es zu lesen: „Papa, was ist der Islam?“

Versöhnung der Religionen

Die pensionierte Pädagogin ist Katholikin, und sie setzt auf die Versöhnung der Religionen. Um das Buch hat sie eine rote Schleife gebunden, und sie hofft, dass der Konvertit mit dem hellen Bart, der sich selber „'ne Jung' aus Mönchengladbach“ nennt, es lesen wird.

Inzwischen hat sich der Platz gefüllt. Tief verschleierte Frauen stehen zusammen mit solchen, die ihr Haar bloß unter einem Kopftuch verbergen. Ein Trupp schwarz gekleideter Ordner, den Aufdruck „EZP“ auf den T-Shirts, stehen schweigend vor der Treppe, die als provisorische Bühne dient. Nach dem gemeinsamen Gebet auf dem Pflaster des Marktplatzes wird Abu Adam Sven Lau von Versöhnung sprechen und davon, dass man das Ende des Ramadan zusammen mit den Bürgern Mönchengladbachs feiern will.

„Die Menschen haben Angst vor dem Fremden“, sagt ein Mitglied des Paradieses zum Himmel“, und die müsse man ihnen nehmen. Er stammt aus einer französisch-niederländischen Verbindung und fand erst spät zum Islam. Ebenso wie sein Freund, der in der Nähe von Köln zu Hause ist. Der Islam habe ihn auf den richtigen Weg gebracht, sagt der. Und was ist dran an den Vorwürfen, der Verein sei verfassungs-, frauen- und demokratiefeindlich? Nichts sagt er, „wir sind friedliche Menschen.“

Inzwischen begrüßt Abu Adam Sven Lau unter dem lautstarken Jubel seiner Brüder die Bürger Mönchengladbachs. Seine Stimme hallt über den Platz. „Wir wollen die Herzen der Menschen erobern und ein Zeichen setzen.“ Ein alter Herr schnauft durch die Nase. „Alles Quatsch. Alles Radikale!“ Er ist nicht der einzige in Mönchengladbach-Eicken, der Abu Adam Sven Lau nicht glaubt.



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