Von Stefanie Schmidt, 17.08.10, 09:17h
Schon an der Aufstellung ließ sich ablesen, wie ernst Bayern-Coach Louis van Gaal die Partie nahm: Bis auf die verletzten Daniel van Buyten, Ivica Olic und Arjen Robben spielten die Bayern in Bestbesetzung. Sehr zur Freude der Zuschauer, die vor allem die deutschen WM-Spieler Thomas Müller und Bastian Schweinsteiger mit großem Jubel begrüßten. Wie es um den Adrenalinpegel der Amateure bestellt war, verdeutlichte ein kleiner Vorfall vor dem Spiel: Als es an der Zeit für den Wimpeltausch war, stand Windecks Kapitän Thorsten Nehrbauer mit leeren Händen da. Auf Mark van Bommels Frage „hast du nichts dabei?“ musste er mit „hab ich vergessen“ antworten. Der Wimpel war in der Aufregung im Hotel liegen geblieben. „Ich habe aber versprochen, ihn mit der Post zu schicken“, sagte Nehrbauer nach dem Spiel. „Dann war van Bommel zufrieden.“
Angst vor großen Namen war den Windeckern auf dem Platz nicht anzusehen. Der krasse Außenseiter begann überraschend couragiert und kam durch den starken Alexander Hettich in den ersten zehn Minuten gleich drei Mal in Tornähe, ohne dabei richtig gefährlich zu werden. Nach einer Viertelstunde hatten sich die Bayern gefangen und nahmen das Spiel in die Hand. Ein Kopfball von Schweinsteiger ging knapp am Pfosten vorbei (14.), einen Schuss von Müller ließ Torhüter Michael Cebulla abprallen, Mariusz Kukielka klärte knapp vor dem herbeieilenden Klose (18.), später rettete Kukielka noch einmal auf der Linie (35.). Zuvor aber gab es die größte Chance der Germania: Nach einem tollen Pass von Hettich enteilte Michael Kessel Diego Contento, traf aber nur das Außennetz (22.). Als die Windecker sich schon auf ein beachtliches 0:0 zur Pause freuten, fand der FC Bayern doch noch einen Weg durch die dichten Abwehrreihen. Ein langer Pass von Contento landete bei Miroslav Klose, den Kukielka nicht am Treffer hindern konnte (44.). Praktisch mit dem Pausenpfiff legte Franck Ribéry auf Vorarbeit Kloses noch den zweiten Treffer nach.
Lahmes Bayern-Spiel
In der zweiten Halbzeit dominierten die Bayern das Spiel, ohne aber gesteigerte Laufbereitschaft oder Kreativität einzubringen. Windeck beschränkte sich auf die Abwehrarbeit, lange mit Erfolg. Mitte der zweiten Halbzeit quittierten die Zuschauer das lahme Spiel der Bayern mit lautstarken Pfiffen. Einzig unterhaltsame Aktion der zweiten Halbzeit blieb damit die Einwechslung von Stürmer Mario Gomez, den der Stadionsprecher und die Anzeigetafel als Anatoli Timoschtschuk vorstellten. Die späten Tore durch Toni Kroos (84.) und Gomez (85.) änderten nichts mehr am enttäuschenden Auftritt der Bayern. „Das war das schwächste Spiel unserer Vorbereitung“ ärgerte sich van Gaal, lobte aber auch den Gegner: „Die Germania hat daran einen großen Anteil gehabt.“
Die Windecker ließen sich nach der Partie noch ausgiebig im Stadion feiern. „Das war ein Erlebnis, von dem wir uns auf jeder Busfahrt zu Auswärtsspielen erzählen werden“, schwärmte Thomas Meiß. Stolz kann der Fünftligist nicht nur auf den sportlichen Auftritt sein, Windeck hat auch einen Rekord aufgestellt: Mit 41.100 Zuschauern im Rhein-Energie-Stadion war die Partie das bestbesuchte Pokalspiel einer deutschen Amateurmannschaft. Den alten Rekord hielt TeBe Berlin mit 39.500 Zuschauern im Pokal 1996 - natürlich ebenfalls gegen Bayern München.
TSV Germania Windeck: Cebulla - Tuysuz, Schultens, Reed, Kukielka - Eckert (79. Schoof), Grebe - Nehrbauer, Kessel (72. Thomassen) - Kurth (65. Meiß) - Hettich.
FC Bayern München: Butt - Lahm, Demichelis, Badstuber, Contento (60. Alaba) - van Bommel, Schweinsteiger - Kroos - Müller, Ribery (76. Altintop) - Klose (60. Gomez).
Schiedsrichter: Christian Dingert (Lebecksmühle).
Tore: 0:1 Klose (44.), 0:2 Ribery (45.), 0:3 Kroos (84.), 0:4 Gomez (85.). - Zuschauer in Köln: 41 100.
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