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Hygienemängel

5000 vermeidbare Todesfälle

Von Stefan Sauer, 27.08.10, 15:55h, aktualisiert 27.08.10, 21:55h

Durch mangelnde Hygiene und fehlende Kontrollen sterben in deutschen Kliniken nach Angaben des Gesundheitsexperten Schrappe mindestens 5000 Patienten. Die Zustände seien im internationalen Vergleich besorgniserregend.

Uniklinik Mainz
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Ein Eingang zum Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsklinik Mainz. (Bild: ddp)
Uniklinik Mainz
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Ein Eingang zum Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsklinik Mainz. (Bild: ddp)
Tote Babys Mainz
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An der Mainzer Universitätsklinik ist ein drittes Baby gestorben. (Bild: dpa)
Tote Babys Mainz
Köln - Krankenhausinfektionen belasten das deutsche Gesundheitswesen mit Kosten von 2,5 Milliarden Euro pro Jahr. Durchschnittlich werde für die Behandlung einer Krankenhausinfektion 5000 Euro ausgegeben, sagte der Direktor des Instituts für Patientensicherheit der Friedrich-Wilhelm Universität Bonn, Matthias Schrappe, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Nach seriösen Schätzungen infizierten sich jährlich 500.000 Patienten in deutschen Kliniken, sagte Schrappe weiter. Im internationalen Vergleich seien die Hygienestandards in vielen deutschen Häusern besorgniserregend.

„Ich schätze, dass höchstens 30 Prozent der 2100 deutschen Krankenhäuser das Hygieneproblem angemessen ernst nehmen“, so Schrappe, der auch dem Sachverständigenrat für das Gesundheitswesen angehört. In vielen Kliniken werde Hygiene nicht als zentraler Bestandteil der ärztlichen und pflegerischen Berufsausübung begriffen. „Ich hatte schon mit Chefärzten zu tun, die ganz offen zu verstehen gaben, dass sie die Desinfektion der Hände für überflüssig halten. Die Botschaft an Assistenzärzte und Pflegpersonal lautet: Was ihr in der Ausbildung über Hygiene gelernt habt, müsst ihr nicht so ernst nehmen“, klagte der Wissenschaftler.

Infektionsraten sind unterschiedlich

Zwingend erforderlich sei daher eine verlässliche und überprüfbare Erfassung sämtlicher Krankenhausinfektionen und eine Veröffentlichung der Daten. „Die Patienten haben ein Recht darauf, zu erfahren, wie hoch die Infektionsraten in den einzelnen Kliniken, in den Fachabteilungen und bei bestimmten Operationen sind.“ Diese Angaben müssten veröffentlicht werden, notfalls durch gesetzliche Bestimmungen.

„Studien haben gezeigt, dass interne und externe Veröffentlichungen von Qualitätsberichten einen sehr positiven Effekt haben.“ Mindestens 5000 Todesfälle könnten jährlich vermieden werden, wenn die Hygieneregeln eingehalten würden, schätzt Schrappe. „Man stelle sich vor, an der Schweinegrippe wären 5000 Menschen in Deutschland gestorben, da wären vermutlich ganze Großstädte unter Quarantäne gestellt worden.“



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