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Opernquartier

Teuer wird es auf jeden Fall

Von Peter Berger und Christian Hümmeler, 31.08.10, 21:12h, aktualisiert 07.09.10, 11:57h

Endlich liegen die Zahlen auf dem Tisch, doch für Harmonie dürften sie wohl kaum sorgen: Die Kosten für die beiden Varianten Sanierung und Neubau des Opernquartiers sind beinahe identisch. Zündstoff für den Runden Tisch am Mittwoch.

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Der Streit um das Opernquartier geht weiter. (Bild: Worring)
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Der Streit um das Opernquartier geht weiter. (Bild: Worring)
Köln - Das Millionenspiel geht in die nächste Runde. Wenn sich am Mittwoch alle, die etwas zum Thema Sanierung des Kölner Opernquartiers beizutragen haben, um 19 Uhr um den Runden Tisch, der in Wahrheit ein eckiger ist, in der Piazzetta des Historischen Rathauses versammeln, ist nur eins klar: Es wird keineswegs harmonisch.

Denn seit Dienstag liegen die nackten Zahlen aller derzeit noch denkbaren Sanierungsmodelle sowie der durch das Bürgerbegehren „Mut zu Kultur“ abgeschmetterten Neubauvariante auf dem Tisch. Und zwar in der Eindeutigkeit, die von der Politik und den Bürgern immer gefordert worden war. Danach belaufen sich die Gesamtkosten (inklusive der Kosten für die Interimsspielstätten während der Bauzeit) für den abgelehnten Neubau-Entwurf auf 347 Millionen Euro. Die Sanierung nach den Plänen der Schauspielintendantin Karin Beier, die so genannte Beier-Variante, kostet (ebenfalls inklusive der Aufwendungen für das Interim) 328 Millionen, ist also 19 Millionen billiger. Die inzwischen verworfene Sanierungsvariante nach den Plänen des Bürgerinitiative „Mut zu Kultur“ käme auf 358 Millionen, wäre also teurer als ein Neubau. Eine ebenfalls nicht in Frage kommende Sanierungsschätzung der Stadtverwaltung vom Dezember 2009 käme auf 314 Millionen.

Am späten Dienstagnachmittag trafen sich Vertreter der Stadtrats-Fraktionen, der Stadtverwaltung, der Initiative „Mut zu Kultur“ und Schauspielintendantin Karin Beier bei Kulturdezernent Georg Quander, um die schwierige Lage zu beraten. Und schon da wurde deutlich: Eine Einigung ist nicht in Sicht. „Wir werden darauf drängen, dass nur die reinen Baukosten verglichen werden“, sagte Walter Thiess von „Mut zu Kultur“. Unter dieser Voraussetzung sei die Beier-Variante gegenüber einem Neubau rund 37 Millionen Euro preiswerter. Quander habe „sich jahrelang gegen eine Sanierung gestemmt“. Jetzt auf die Sanierungsvariante rund 9,7 Millionen Euro an bereits bezahlten Planungskosten für den Neubau draufzusatteln, ergebe ein völlig verzerrtes Bild. Thiess: „Hätte sich die Stadt eher für die Sanierung entschieden, würden wir nicht erst im Jahr 2015 fertig.“

Kein Einsparpotenzial

Nicht zu erklären ist aus Sicht der Initiative auch ein Posten von rund acht Millionen Euro, die beim Beier-Entwurf für zusätzliche Interimsspielstätten anfallen. „Wir wissen nicht, wie dieser Posten zustande kommt. Zumal gar nicht einkalkuliert wird, dass Oper und Schauspiel anderthalb Spielzeiten länger genutzt werden können“, sagte Thiess.

Der oberste Stadtplaner, Baudezernent Bernd Streitberger, sieht in den errechneten Sanierungskosten kein großes Einsparpotenzial mehr. „Das ist sicher das letzte Wort“, glaubt Streitberger. Wer sage, dass alles billiger werden müsse, der müsse eben auf einzelne Elemente verzichten. „Aber dann geht man an die Qualität“, so der Baudezernent: „Man darf nicht nur auf die schieren Zahlen schauen, man muss auch sehen, was man dafür bekommt: Ein qualitätsvolles Ensemble, beide Häuser liegen eng zusammen, sind gut verzahnt, sehr gut organisiert und baulich so ausgestattet, dass man - anders als heute - damit sehr gut zurechtkommen wird.“

Natürlich könne man jetzt die errechneten Zahlen schönreden. Doch diesen Fehler will der Baudezernent in jedem Fall vermeiden: „Da sind Sicherheiten eingerechnet - denn wenn man alte Gebäude anpackt, erlebt man immer Dinge, die man vorher nicht kalkulieren kann. Ich weigere mich, diese Sicherheiten herauszunehmen.“ Im Gegenteil, er sei froh über die Machbarkeitsstudie, die er für „extrem durchgearbeitet“ hält. „Daran sollten wir nicht herumschnitzen um den Preis schlechterer Lösungen.“

Ungeachtet dessen wird in der Stadtverwaltung bereits überlegt, wie man die errechneten Baukosten für die „Beier-Variante“ verringern könnte. Dabei kursieren dem Vernehmen nach zwei Szenarien: Zum einen der Verzicht auf Kinderoper und Opernterrassen, was zu reinen Baukosten von rund 233 Millionen Euro führen würde - immerhin eine Ersparnis von etwa 20 Millionen Euro. Noch billiger, nämlich rund 210 Millionen Euro, würde eine reine Bestandssanierung, bei der sogar auf die unterirdischen Neubauteile verzichtet würde.

Die Lage bleibt angespannt. Auch wenn die Argumente der Bürgerinitiative durchaus schlüssig sind, steht fest: Am Ende müssen die Gesamtkosten beglichen werden. Wohl auch deshalb goss Ulrich Wackerhagen, kulturpolitischer Sprecher der FDP, die immer den Neubau befürwortet hatte, nochmal Öl ins Feuer. Alles, was „Mut zu Kultur“ „vollmundig versprochen“ habe, sei nicht eingetroffen. „Die Sanierung ist nicht so schnell und nicht so billig wie behauptet möglich. Die Wortführer, die die Politik in Bausch und Bogen verdammt haben, sollten jetzt etwas leiser sein. Aber damit ist wohl nicht zu rechnen.“



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