Von Daniel Baumann und Timo Kather, 03.09.10, 10:43h, aktualisiert 03.09.10, 23:15h
Nach 15 Monaten der Ungewissheit ist es vollbracht: Karstadt hat einen neuen Eigentümer. 25 000 Arbeitsplätze sind vorerst gerettet. Verdi-Vizechefin Margret Mönig-Raane spricht von einem „Tag der Freude und Dankbarkeit“. Der US-deutsche Investor Nicolas Berggruen übernimmt für einen symbolischen Euro die insolvente Kaufhauskette.
Am Freitagmorgen hatten endlich alle dafür nötigen Unterschriften der vielen Karstadt-Gläubiger vorgelegen, so dass das Amtsgericht Essen den Insolvenzplan bestätigen konnte. Zuletzt hatte die Rettung von Karstadt noch am Vermieterkonsortium Highstreet gehangen, dessen Anteilseigner sich über die künftigen Mietkonditionen für die Karstadt-Häuser einigen mussten. Nun erhält Berggruen einen Mietnachlass in Höhe von 400 Millionen Euro über die kommenden Jahre.
Bis Ende September wird Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg die Geschäfte bei Karstadt noch führen. Es wird darum gehen, die Übergabe vorzubereiten. Vom 1. Oktober an ist Berggruen dann neuer Herr im Haus. Er will 65 Millionen Euro aus seinem privaten Vermögen in die Modernisierung von Karstadt stecken. Weitere fünf Millionen gehen an die Gläubiger. Detaillierte Pläne für Karstadt sollen Anfang Oktober vorgestellt werden.
Görg ist erleichtert über den Verkauf. „Ich bin froh, dass ich die Rolle, die mir zugefallen ist, aufgeben kann“, sagt er zufrieden. Berggruen bedankt sich und appelliert an den Zusammenhalt der Belegschaft, um die anstehenden Aufgaben zu meistern. „Ich bin ein Arbeiter für Karstadt, ich arbeite für euch“, sagt er zu den anwesenden Angestellten. „Karstadt steht, wir alle werden eine aufregende Zukunft haben.“ Der neue Eigentümer verspricht, dass keine Mitarbeiter entlassen und keine Häuser geschlossen werden.
Während in Berlin gejubelt wird, hätte es Metro-Chef Eckard Cordes wohl am liebsten gesehen, wenn Karstadt keinen Käufer gefunden hätte. Denn dann hätte Metro aus dem insolventen Unternehmen etwa 60 Kaufhäuser auswählen und sie mit den eigenen Kaufhof-Filialen zu einer „Deutschen Warenhaus AG“ verschmelzen können, um die AG an Finanzinvestoren zu verkaufen. Der Insolvenzverwalter von Karstadt hatte einen solchen Deal stets abgelehnt, da er Karstadt als Ganzes erhalten wollte. Getrennt haben Kaufhof und Karstadt nach Ansicht von Cordes keine Zukunft. „Der Markt ist nicht groß genug für zwei“, so der Metro-Chef. „Irgendwann wird es zu einem Zusammenschluss kommen, unter welchen Umständen auch immer.“
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