Erstellt 03.09.10, 15:09h
In Quetta sprengte sich der Attentäter inmitten einer schiitischen Demonstration in die Luft. Die rund 450 Gläubigen hatten sich anlässlich des so genannten El-Kuds-Tages ("Jerusalem-Tag") in der Hauptstadt der Provinz Balutschistan versammelt, an dem Schiiten gegen die Kontrolle ganz Jerusalems durch Israel protestieren und ihre Unterstützung für die Palästinenser demonstrieren.
Unuhen nach Gewalttat
Nach Angaben der Polizei wurden mindestens 40 weitere Menschen durch den Anschlag verletzt. Demnach brachen nach der Gewalttat Unruhen aus: Es fielen Schüsse, Menschen flohen in Panik, andere legten Feuer. Der Fernsehsender AaJ berichtete, einer seiner Fahrer sei bei der Explosion getötet worden. In Pakistan sind die Schiiten in der Minderheit, sie machen etwa 20 Prozent der 160 Millionen Einwohner aus. Die sunnitischen radikalislamische Taliban nehmen sich immer wieder schiitische Gläubige für ihre Anschläge zum Ziel.
In den vergangenen drei Jahren wurden in Pakistan mehr als 3600 Menschen durch Anschläge getötet. Zum sich nähernden Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan hatte es bereits am Mittwoch einen Anschlag mit zahlreichen Toten gegeben: In der ostpakistanischen Stadt Lahore wurden 31 Schiiten getötet und rund 200 weitere Menschen verletzt, als drei Selbstmordattentäter inmitten einer schiitischen Prozession ihre Sprengsätze zündeten.
Anschlag auch im Nordwesten gegen Ahmadi-Sekte
Kurz vor dem Anschlag in Quetta sprengte sich auch in der Stadt Mardan im Nordwesten des Landes ein Selbstmordattentäter in die Luft und tötete einen weiteren Menschen. Ziel des Anschlags war eine Moschee der Ahmadi-Sekte in der Stadt Mardan, wie der örtliche Polizeichef Waqif Khan sagte. Demnach hatte der Mann versucht, in die Moschee einzudringen, wurde aber von Wächtern daran gehindert. Daraufhin zündete er seinen Sprengsatz.
Unklar war zunächst, ob das zweite Todesopfer durch das Attentat oder durch Schüsse der Sicherheitskräfte getötet wurde. Vier weitere Menschen wurden verletzt. Im Mai hatten Angreifer fast hundert Anhänger der Ahmadi-Sekte getötet, als sie zwei Moscheen im ostpakistanischen Lahore stürmten. Die religiöse Minderheit der Ahmadi, die in Lahore ihre Wiege hat, wird von den Hauptströmungen der pakistanischen Muslime verachtet. Der Sekte gehören zehntausende Menschen an. (afp)
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