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Sarrazin-Debatte

Merkel nimmt Türken in Schutz

Erstellt 03.09.10, 15:21h, aktualisiert 03.09.10, 15:44h

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Thilo Sarrazins Thesen zu den in Deutschland lebenden Ausländern in scharfer Form zurückgewiesen. Sein Argument, das Land werde durch türkische und andere muslimische Einwanderer dümmer, sei Unsinn.

Angela Merkel
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Angela Merkel. (Bild: dpa)
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Angela Merkel. (Bild: dpa)
Thilo Sarrazin
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Thilo Sarrazin soll den Vorstand der Bundesbank verlassen. (Bild: dpa)
Thilo Sarrazin
ISTANBUL - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Türken in Deutschland und der Türkei gegenüber deutlich gemacht, dass sie die umstrittenen Thesen von Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin (SPD) zur Integration ablehnt. Sarrazins Argument, Deutschland werde durch türkische und andere muslimische Einwanderer dümmer, sei "Unsinn", sagte Merkel in einem am Freitag veröffentlichten Interview der türkischen Zeitung "Hürriyet". Sie könne Sarrazins Äußerungen nicht akzeptieren. "Sie wirken ausgrenzend. Ganze Gruppen in unserer Gesellschaft fühlen sich dadurch verletzt", sagte die Kanzlerin nach einer Angaben des Bundespresseamtes in dem Interview.

Die türkische Öffentlichkeit hatte die deutsche Debatte über Sarrazin in den vergangenen Wochen aufmerksam verfolgt. In türkischen Zeitungen wird der ehemalige Berliner Finanzsenator häufig als "Rassist" bezeichnet.

Merkel sagte, das Thema Integration sei eines der wichtigsten Themen unserer Zeit. "Wir müssen es sachlich diskutieren und dürfen nicht Abneigung und Widerwillen wecken. Das erschwert die Integration anstatt sie zu fördern." Probleme müssten zwar klar benannt werden, doch dürften auch Fortschritte nicht verschwiegen werden. Die meisten Türken in Deutschland seien gut integriert.

Integration erfordere Anstrengungen des Staates, der Gesellschaft, aber auch der Einwanderer selbst, sagte die Kanzlerin. "Das Zusammenleben ist ein Geben und Nehmen." Die Einwanderer müssten bereit sein, "sich auf ein Leben in unserer Gesellschaft einzulassen und unsere gesamte Rechtsordnung vorbehaltlos zu akzeptieren".

Deutschland verstehe unter Integration "keine erzwungene Assimilation oder das Leugnen der eigenen Wurzeln", betonte Merkel. "Aber es bedeutet natürlich, Deutsch zu lernen und die deutschen Gesetze einzuhalten." Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte vor zwei Jahren in Deutschland für Entrüstung gesorgt, indem er in einer Rede vor Türken in Köln vor einer Assimilierung gewarnt und diese als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" gegeißelt hatte. (dpa)



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